Hitlers ergebener Diener

- Passend zur langen Museumsnacht platzierte das Bayerische Staatsschauspiel seine jüngste Produktion im Theater im Haus der Kunst: Am Samstagabend hatte dort "Gladius Dei" (Schwert Gottes) Premiere - ein Dokumentarspiel ums Haus der Kunst, seine Geschichte als Hort nationalsozialistischen Kunstdiktats und den Bankier August von Finck (Merck, Finck & Co.).

<P></P><P>Der Münchner Baron war Vorsitzender des Kuratoriums des "Hauses der Deutschen Kunst" und Hitlers ergebener Diener. Er war Spendeneintreiber und selbst Spender. Sein stattliches Vermögen mehrte er durch Übernahme der "arisierten" Banken Rothschild in Wien und Dreyfus in Berlin. Das alles ist längst bekannt, aber natürlich soll's immer wieder neu gesagt werden, um ein Bewusstsein aufrecht zu erhalten bzw. zu schaffen für den traurigen Ruhm des Baus an der Prinzregentenstraße.</P><P>So liegt es nahe, diese unheilvolle Münchner Allianz von Geld und Grauen an Ort und Stelle einmal auch theatralisch aufzubereiten. Das versuchte jetzt Hans-Werner Kroesinger mit Buch und Regie. Allerdings: Die Titel-Anleihe "Gladius Dei" bei Thomas Mann, der seine berühmte München-Erzählung so überschrieben hat, täuscht großspurig eine Nähe zum Dichter vor, die nicht annähernd in dieser Aufführung vorhanden ist.</P><P>Zeit: unmittelbar nach Kriegsende. Die Amerikaner planen und führen Verhöre durch zum Thema "Haus der Deutschen Kunst". Inszenatorischer Gag: Die ersten beiden Szenen - zum einen das Befragen von Göring-Adjutant Gritzbach und Finck-Vertrautem Kaufmann, zum andern das Offizierskasino - laufen parallel. Zu sehen bekommt man jeweils nur eine, der Zuschauer also muss sich entscheiden. Vielsagend ist keine von ihnen, beide dienen jeweils nur zur Information über Finck; doch scheint der Club mit kleinen Tischen, Lametta an den Wänden und leichten Mädchen als Garnierung ein wenig gefälliger zu sein als die etwas trübsinnige Vernehmungsszene. Nach der Pause dann vereint zum Hauptstück, dem Verhör des Barons.</P><P>In der Mitte ein riesiger Tisch, an der einen Seite Eva Schuckardt als uniformierte Stichwortgeberin für ihr Gegenüber, den smart eleganten Ulrich Beseler, der als August von Finck ein etwas zu gleichmäßig moderates Timbre anschlägt. Beide aber bewältigen mit schauspielerischer Selbstlosigkeit die Balance zwischen trockener Wiedergabe des Dokumentarischen und leichten Anflügen von Emotionalität.</P><P>Dass die szenische Aufarbeitung dennoch mit stumpfem Schwert geschlagen wird, liegt sowohl am dürftigen Manuskript als auch an theatralischer Unerfahrenheit Kroesingers, dessen Inszenierung nur gewisse Schärfe erhält durch eingespielte Filmausschnitte von der Eröffnung des Hauses der Kunst im Jahr 19</P>

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