Hits ins Rund geprügelt

- Am Ende steht da mit einem Mal kein harter Rocker mehr auf der Bühne, sondern der Überlebenskünstler William Broad. Gerade noch hatte er unter seinem Kampfnamen Billy Idol mit der letzten Zugabe "Mony Mony" das Publikum in der Münchner Zenith-Halle zur Raserei getrieben, nun verharrt er verdächtig lange auf der Bühne. Und man muss davon ausgehen, dass der Mann wirklich gerührt ist von der Begeisterung, mit der ihn seine Fans feiern. Jedenfalls lässt er sich länger bejubeln, als es sich für einen Punk gehört, und dann verbeugt er sich sogar. Billy Idol darf es - Punker-Attitüde ist das eine, aber eine Wiederaufstehung das andere.

Schon von der ersten Sekunde an traut man seinen Augen nicht. Billy Idol, seit einer Woche immerhin 50, tobt mit "Dancing with myself" über die Bretter, als befänden wir uns immer noch in den scheußlichen, wunderbaren, glorreichen 80er-Jahren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten das Alter zu überlisten, Idol hat sich dafür entschieden, die Zeit einfach zu ignorieren. Nach 20 Jahren mit seinem kongenialen Gitarristen Steve Stevens wieder vereint, prügelt Idol seine Hits unerbittlich wie eh ins Rund und gibt mit Hingabe den bösen Buben. Wen kümmert es schon, dass er 15 Jahre völlig in der Versenkung verschwunden war. Dass er nach leichtsinnigen Unfällen mit Motorrädern und Drogen mindestens dreimal dem Tod näher als dem Leben war und heute abseits des Musikzirkus ein beschauliches Leben als Familienvater und Vegetarier führt. Sobald das Licht in der Halle angeht, ist der privat umgängliche Brite William Broad der unwiderstehliche Kotzbrocken Idol, der das Auditorium immer wieder das böse F-Wort schreien und vage, aber dafür entschieden gegen alles sein lässt.

Stevens liefert mit brachialer Virtuosität jenen dynamisch-satten Klang, der Billy Idol immer von anderen Schweinerock-Bands der 80er abhob. "White Wedding" als herausgebrüllte Punk-Romanze ist immer noch so mitreißend wie damals. Und "Rebell Yell", die Idol-Hymne schlechthin, wirkt auch heute als todsicherer Abräumer, der selbst zurückhaltendere Gemüter in Ekstase versetzt. Billy Idol nimmt es befriedigt zur Kenntnis und reißt sich in einer grandiosen Mischung aus hämischer Selbstironie und trotzigem Stolz das Hemd vom Leib, um seinen makellos durchtrainierten Oberkörper zu präsentieren. Tote sehen anders aus - die Botschaft hat nach diesem furiosen Konzert jeder verstanden.

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