Höchste Intensität

- In Kriegszeiten sollen auch Komponisten die Trommel rühren. So jedenfalls wünschen es sich die obersten Auftraggeber. Doch nicht immer erfüllen Künstler die in sie gesetzten "staatstragenden" Erwartungen. Benjamin Britten jedenfalls enttäuschte die japanische Regierung sehr, als er 1939 der damals mit Deutschland verbündeten Nation zum 2600-jährigen Jubiläum des Kaiserreichs eine "Sinfonia da Requiem" präsentierte. Sie wurde abgeschmettert.Die Sowjets hingegen bogen Dmitri Schostakowitschs 1943 als Poem des Leidens gedachte Achte kurzerhand um zur "Stalingrader Sinfonie", mit der sie ihre Siege feierten.

<P>Die Münchner Philharmoniker machten es am Mittwochabend im Gasteig dem Publikum leicht, sich mit den beiden bekenntnishaften Werken zu identifizieren: Denn sie ließen sich vom jungen britischen Dirigenten Rumon Gamba zu höchster Intensität anspornen.</P><P>Schon bei Benjamin Britten beschwor Gamba nach den erschütternden Paukenschlägen zu Beginn (Lacrymosa) mit großen eindringlichen Gesten den Trauermarsch, schraubte das Crescendo hoch zu einem Verzweiflungsschrei, schürte mit scharfen Akzenten die Beklemmung. Sicher führte er die Philharmoniker durch das rhythmisch bizarre, klanglich schrille Scherzo (Dies irae), das in einen von Harfen und wechselndem Holz geprägten, von einer Streicher-sanften Friedensvision getragenen, langsamen Satz (Requiem aeternam) überleitet. In allen drei Sätzen präsent: das ausdrucksvoll geblasene Altsaxophon.</P><P>Gespickt mit Instrumentalsoli ist auch Schostakowitschs ausladende Symphonie. Die Philharmoniker ließen sich _ gemeinsam wie im Alleingang _ rückhaltlos darauf ein. So gelang Rumon Gamba eine fast durchweg spannungsvolle, sinnvoll entwickelte und souverän aufgebaute Wiedergabe. Beeindruckend in den grellen Schreckensmomenten wie in der beklemmenden Trauer und den ersterbenden Schlussklängen. Großer Beifall.<BR></P>

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