Liebe, Sex, Tod: Die Herren mit den Messern wollten die „Tanguera“ Giselle vor ihrem Zuhälter retten.

Höchste Spannung

München - Das Tango-Musical „Tanguera“ kommt jetzt mit Livemusik nach München. Ab dem 27. Oktober werden 30 Tänzern und Sängerin Marianella im Deutschen Theater zu Gast sein und die Wucht und Macht des Tangos verkörpern.

Lisandro Androber liebt sein Bandoneon. Er spielt die Harmonika auf der Bühne oder dahinter. Im Scheinwerferlicht oder im Dunkeln. Ob er dabei von den Zuschauern des weltweit ersten Tango-Musicals „Tanguera“ gesehen wird, ist ihm egal. Hauptsache, sie hören ihn. Hauptsache, sie spüren seine Leidenschaft. Ab dem 27. Oktober wird sein Septeto zusammen mit 30 Tänzern und Sängerin Marianella im Deutschen Theater zu Gast sein und die Wucht und Macht des Tangos verkörpern.

Zur Geschichte: Die Französin Giselle, jung, rassig, bildschön natürlich, immigriert nach Buenos Aires. Fortan schafft sie für Nachtclub-Besitzer Gaudencio an, liebt jedoch Hafenarbeiter Lorenzo. Giselle flüchtet in den Tanz. Lorenzo aber will seine „Tanguera“ nicht teilen, will sie retten und setzt auf die Wirkung der Messer. Die Guten verwandeln sich fortan in die Bösen, zumindest äußerlich. Auf einmal sehen alle aus wie Zwillinge von Michael Jacksons Vater, mit schwarzem Hut, grimmigen Gesichtsausdruck und Mafiosi-Bärten. Der einzige Unterschied: Die schwarzen Lackschuhe haben bei den Giselle-Rettern einen unschuldig-reinen weißen Farbtupfer. Das Ende überrascht, und auch wieder nicht. Erzählt das Musical doch nicht nur Giselles Geschichte, sondern auch die des Tangos selbst.

Sie leben den Tanz

Von einer Lehrstunde allerdings ist das 2002 in einer Choreographie von Mora Godoy und in der Regie von Omar Pacheco uraufgeführte Musical trotzdem weit entfernt, wird dem Zuschauer doch keine Pause gegönnt. Die 80-Minuten-Show braucht das nicht, und die 30 Tänzer haben’s nicht nötig. Sie leben den Tanz. Immer. Waghalsige aber elegante Drehungen mit und ohne Partner sind Standard. Mal wunderbar in Zeitlupe, mal schneller, aggressiver, dann wieder ruhiger, zarter. Immer die Geschichte im Blick, immer die Musik im Ohr. Letztere war 2007, als die Show das letzte Mal in München war, noch ein Manko. Sie kam vom Band. Grund dafür, so erklärt Bandoneon-Spieler Lisandro Androber, sei die musikalische und szenische Komplexität der Show gewesen. Er war von Beginn an in den kreativen Entstehungsprozess eingebunden, ist der musikalische Leiter, Arrangeur und Komponist.

Info

Vom 27. Oktober bis 7. November im Deutschen Theater München-Fröttmaning. Die Preise variieren zwischen 28 bis 64 Euro. Tickets unter deutschesTheater.de

„Bei einem Live-Orchester braucht man höchste Konzentration, gute Musiker und Techniker. Andernfalls läuft die Inszenierung nicht rund.“ Doch vor allem das europäische Publikum verlangte wegen der Tango-Historie danach, den Tango live zu hören. Deswegen lässt Produzent Diego Romay jetzt in München am Anfang und Ende zwei Bandoneons, ein Piano, eine Geige, ein Bass, eine Flöte und eine Gitarre sichtbar erklingen. Zwischendrin spielt das Septeto aus szenischen Gründen im Verborgenen. „Es würde doch seltsam wirken, ein Orchester im Hafen oder gar im Meer stehen zu haben“, sagt Androber. Immer dabei ist aber Sängerin Marianella, die mal als Giselles Quasi-Übermutter, aber immer als Moral-Apostel fungiert. Sie prangert an. Die Liebe, die Leidenschaft, die Abhängigkeit und die Macht. All das eben, was den Tango ausmacht. Und der steht am Ende des Stücks auch über allem und jedem. An seine Macht kommt niemand heran, schließlich gibt es ihn bereits seit etwa 1900. Generationen haben ihn getanzt, gelebt und neu interpretiert. „Tanguera“ mit der Musik von Lisandro Androber legt ihn in Musical-Manier aus.

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