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Schriller die Glocken kaum klingen als in der Weihnachtsrevue mit Jean-Luc Bubert, Mara Widmann, Michael Gumpinger, Max Wagner und Pascal Riedel (v. li.).

Höchste Zimtsternwertung

München - Schrill, schnell und herrlich unorthodox: Die Weihnachtsrevue „Heiße Maroni“ am Münchner Volkstheater ist alles andere als besinnlich. Lesen Sie hier die Premierenkritik:

Bloß keine Besinnlichkeit: Dieser Abend ist schrill, schnell, manchmal sehr lustig, manchmal platt und dabei immer herrlich unorthodox. „Heiße Maroni“ haben Britta Kampert und René Kalauch ihre musikalischen Weihnachtsbekenntnisse genannt, die jetzt Premiere auf der kleinen Bühne des Münchner Volkstheaters feierten.

Der Spur nach wird in der einstündigen Revue auch die Weihnachtsgeschichte erzählt: Josef heißt eigentlich Jens und ist Heizungsmonteur in Ausbildung. Maria bessert ihr karges Gehalt als Tempelnäherin in der Horizontalen auf. Und Erzengel Gabriel, der beide zusammenbringen muss, nennt sich „Gabi“ und trägt puschelige Fellstiefel zum grünen Glitzi-Lidschatten. Als Spiritus Rector, Dampfplauderer und Beichtvater begleitet ein Maroni-Mann das muntere Treiben. Doch die Geschichte interessiert sowieso nur am Rande. Zeremonienmeister Michael Gumpinger geleitet am E-Piano das Schauspieler-Quartett sicher und mitreißend durch deren Songs. Sagen darf der als Zirkus-Affe kostümierte Gumpinger zwar nichts – dennoch singen alle nach seinem Takt.

Und wie! Klar, mancher Ton wird verhauen, manche Zeile wackelt – doch wird das durch Inbrunst und Humor wettgemacht. Weihnachtliches gibt es ebenso wie Elvis’ „In The Ghetto“ und ein schräges Gefühls-Medley von Maria und Jens, das zwischen den Polen „Verdammt, ich lieb’ Dich“ und „Stop In The Name Of Love“ pendelt. Jean-Luc Bubert prollt und grollt als Maroni-Mann und hätte auch einen ordentlichen Krampus auf Glühwein abgegeben. Neben ihm bietet „Heiße Maroni“ die Gelegenheit, mit Mara Widmann, Pascal Riedel und Max Wagner drei neue Gesichter im Volkstheater-Ensemble kennenzulernen. Sie machen neugierig!

Höchste Zimtsternwertung also für diesen Abend, der mehr Verstand hat als jeder Weihnachts-Spot im Fernsehen – und mehr Herz sowieso. „Das Gute an Weihnachten ist, dass es auch irgendwann vorbei ist“, sagt Maroni zu Beginn. Recht hat er. Schade nur, dass dann auch dieser Abend wieder aus dem Spielplan verschwindet.

Michael Schleicher

Nächste Vorstellungen

am 9., 18. und 19. Dezember;

Telefon 089/ 52 34 655.

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