In die Höhe geschraubt

- Na, wenn das kein Aufstieg ist? Robert Crowe begann seine Gesangsausbildung vor 15 Jahren - als Bass. Doch mit der Zeit schraubte sich der Bursche aus einem kleinen Dorf im US-Südstaat Virginia über Tenor und Altus weiter in die Höhe. Mittlerweile macht er den Damen richtig Konkurrenz: als Soprano. "Das fällt mir so viel leichter als in der Tenorlage zu singen. Da habe ich immer gegickst", amüsiert sich der schlanke, junge Sänger, der nach seinem Münchner Debüt als Cesare in Ferrandinis "Catone in Utica" vergangenen Herbst im Cuvillié´stheater gleich hier geblieben ist.

<P>An diesem Samstag ist er mit dabei, wenn Christoph Hammer und seine Neue Hofkapelle München das von Florian Timm mit kostbaren Überraschungen bestückte Musikprogramm der Residenzwoche im Kaisersaal (20 Uhr) eröffnen: Mit Pietro Torris "Triomphe de la paix" zum Frieden von Rastatt 1714 und Händels Te deum zum Frieden von Utrecht 1713. Auch in einem weiteren Konzert der zahlreiche Themenführungen, Lesungen und Rundgänge bietenden Woche "Bayern in Europa" ist Crowe zu hören: Am 8. Oktober singt er mit der norwegischen Sopran-Kollegin Siri Thornhill Duette von Agostino Steffani, der vor 350 Jahren geboren wurde und als Hofmusiker der Münchner und Kurpfälzischen Wittelsbacher zu Ruhm gelangte.</P><P>Hohe Frauen und Männerstimme, das ist für uns heute eine seltsame Kombination. Doch Crowe freut sich: "Sie entspricht dem hochbarocken Ideal." Diesem zu folgen, es beruflich auszuleben, bietet ihm Deutschland weit mehr Möglichkeiten als die USA. Auch England konnte nicht zur zweiten Heimat werden (obwohl die Familie schottische Wurzeln hat), denn dort gibt der in der Tradition der Kathedralchöre ausgebildete Countertenor (also ein Altus) den Ton an. "Ich glaube, man mag dort keine Sopranos. Deshalb war es für mich besser, dorthin zu kommen, wo es keine so feste Tradition gibt."</P><P>Die amerikanischen Countertenöre (der Soprano zählt als höchste Ausformung schon dazu) könnten von den europäischen einiges lernen, meint Crowe. "Während die Amerikaner einen Operetten-Ton mit Konservatoriums-Vibrato pflegen, huldigen die Europäer einem vibratolosen Kirchen-Ton, den die Barockliteratur verlangt." Das Repertoire eines Sopranos ist riesengroß. "Ich singe fast nur Kastratenrollen aus der Zeit von 1630 bis 1790", erläutert Crowe. Mit einem normalen Engagement sieht es indes schlecht aus: "Es gibt in jedem Haus eine junge, schlanke, fest angestellte Sopranistin", grinst der Konkurrent.</P><P>Trotz eines Ausflugs in die Operette, zu Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" demnächst in Potsdam, bleibt Barock seine Domäne: Die erste Solo-CD wird Robert Crowe mit Opernarien von Vivaldi bestreiten, und für die Zukunft plant er ein reines Männerensemble (Sopran, Alt, Tenor, Bass), das sich auf venezianische Chormusik, Monteverdi und Co., spezialisiert.<BR></P>

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