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Eigentlich ist der Teufel doch ein ganz lässiger Typ. Zumindest, wenn er in Dominique Horwitz’ Gestalt daherkommt.

"Me and the Devil"

Der Höllen-Horwitz

München - Ein Abend für Ingrid: Dominique Horwitz begeistert mit seiner Revue „Me and the Devil“ auf dem Tollwood

Gerade hat er eine Arie aus dem „Freischütz“ ausgeträllert, da fordert Dominique Horwitz Saallicht im Grand Chapiteau auf dem Tollwood. Eine Frau hat, obwohl’s verboten ist, ein Foto von ihm gemacht. Geht gar nicht. Er tapst also mit hastigen, kurzen Schritten von der Bühne, hält sich den roten Zylinder, während der rote Frack über der roten Hose flackert. „Wie heißen Sie?“ – „Ingrid“ – „Ingrid, das gehört sich nicht. Ich werde ihnen diesen Abend widmen!“

Schock für Ingrid – aber jeder weiß, was er über Horwitz’ Teufel wissen muss. Der Schauspieler und Sänger macht ihn in seiner Revue „Me and the Devil“ zum Verkünder nackter Wahrheiten, rücksichtslos ehrlich, dabei immer hintersinnig grinsend, manipulativ, aber irgendwie anziehend. Mit einer Fratze, die auch Jack Nicholson als Joker in „Batman“ nicht besser hingekriegt hat, und einer Körpersprache zwischen Pantomime und debilem Tanz, malt Horwitz auf der Bühne Bilder für die Hölle. Als er dann in Pumps und Netzstrumpfhosen auftaucht, ist klar: Dieser Satan ist ein Travestie-Teufel – und die Hölle eine abgefahrene Show.

Ein fabelhafter Schauspieler ist der gebürtige Pariser Horwitz ja sowieso. In München zeigt er, dass er auch ziemlich gut singen kann. Die Show spielt immer wieder auf die Weber-Oper „Der Freischütz“ an: Jäger Max, der um Agathe buhlt und es mit dem Teufel zu tun bekommt – nur dass die magischen Freikugeln hier „Right Bullets“ heißen. Aber ganz so romantisch bleibt der Abend nicht. Songs von Tom Waits, „auf den ich mich schon seit Jahren wie Bolle freue“ (Zitat: Satan), lösen ein morbid dahingehauchtes „Ring Of Fire“ von Johnny Cash ab. Pop kitzelt Klassik.

Horwitz beherrscht das alles wie eine zu kurz geratene Marlene Dietrich. Zusammen mit den fabelhaften Musikern, die unter riesigen Elvis-Tollen selbst einen Pop-Klassiker wie „Get Down On It“ von Kool and the Gang dissonant dahinwerfen können, ist das purer, absurder, heißer Genuss. Dafür darf man vor allem auch dem Musiker Jan Christof Scheibe dankbar sein, der die Rock-Pop-Romantik-Revue ohne große Effekte, dafür umso effektvoller arrangiert hat.

Nach gut zwei Stunden verlässt man das Zelt mit dem Gedanken, dass der Teufel doch eigentlich ein ganz lässiger Typ ist. Man könnte es auch in die Worte fassen, die Horwitz am Anfang ins Publikum sagte: „Wenn ich ins Spiel komme, wird’s smooth, sinnlich und harmonisch.“ Einverstanden! Und Ingrid wird’s auch gefallen haben.

Von Marcus Mäckler

Letzte Vorstellung: Montag, 16.12.2013, 19.45 Uhr, Grand Chapiteau, Tollwood; Telefon 0700/ 38 38 50 24.

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