Hörspiel: Leichenfund in Bruck am Inn

München - Diese Krimis kann man nur hören, nicht sehen. Seit Januar liefern die ARD-Anstalten nach dem Vorbild der renommierten Fernsehreihe monatlich jeweils einen neuen Radio-"Tatort". Morgen ist erstmals der Bayerische Rundfunk dran.

Die Streifenpolizisten Rudi Egger (Florian Karlheim) und Senta Pollinger (Brigitte Hobmeier) amüsieren sich gerade auf einer Hochzeit, da kommt ihnen der Fund einer Leiche dazwischen - für eine Kleinstadt wie Bruck am Inn eine Sensation. Der Tote, so stellt sich bald heraus, ist ein Zuhälter, der erst vor kurzem aus der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim entlassen wurde. Was wollte er in Bruck?Auch die Kripo ermittelt, die heiße Spur entdecken jedoch die Brucker Polizisten selbst.

Als sechste Rundfunkanstalt gibt nun auch der Bayerische Rundfunk (BR) sein "Tatort"-Debüt im Radio. Morgen um 20.30 Uhr dreht sich auf Bayern 2 in "Irmis Ehre" alles um Bruck am Inn, eine fiktive Kleinstadt in der bayerischen Provinz. Einfache Streifenpolizisten in einer kleinen, ländlichen Polizeiinspektion als Helden - Drehbuchautor Robert Hültner sieht hierin das Originelle des bayerischen Radio-"Tatort". Passend dazu sind es gerade die bodenständigen Methoden, mit denen Egger und Pollinger den Fall schließlich lösen.

Wer harmlose Geschichten vom Typ "Die vergiftete Weißwurst" erwarte, sei aber auf der falschen Fährte, warnt Hültner. Von dem Mythos der ländlichen Idylle hält der 58-Jährige ohnehin nichts - "auch auf dem Land gibt es jede Art der Kriminalität". Hültner muss es wissen er selbst ist in Inzell im Landkreis Traunstein aufgewachsen.

Ausgesprochen beschwingt lässt einen das Hörspiel, das der BR bereits vor kleinem Publikum vorführte, zurück. Schwer zu sagen, ob das auf den Dialekt zurückzuführen ist, auf die Handlung, die guten Sprecher oder auf die Musik. Die immer unerwartet schnellen Schnitte geben dem Stück viel Tempo. Ein kurzes Telefonklingeln - jäh ist die Hochzeitsszene beendet und der Zuhörer befindet sich in der Polizeiinspektion.Trotz des umfangreichen Geräuscharchivs beim BR wurden die meisten Töne nach Auskunft von Dramaturgin Katarina Agathos eigens für die "Tatort"-Folge produziert.

Selbst in den Nebenrollen ist die Produktion hochkarätig besetzt. Gisela Schneeberger gibt die Kioskbesitzerin und Ratschn Nanni, die dafür sorgt, dass der aktuelle Stand der Ermittlungen kein Geheimnis bleibt. Eisi Gulp spricht die Rolle des zwielichtigen Nachtclubbetreibers Schmerbeck. So wie er waren viele der Schauspieler schon beim "Tatort" im Fernsehen zu sehen. Bei Hörspielen sind individuelle Sprechweisen der Darsteller ausgesprochen wichtig - zur Charakterisierung der Personen sowie zu ihrer Wiedererkennung.

Hültner setzt unterschiedliche Dialektfärbungen ein, um Charakterzüge und Lebensgeschichten zu transportieren. Die Bedeutung solcher Erkennungshilfen zeigen einige Kommentare zu den bislang ausgestrahlten Radio- "Tatorten" im Internet. Sie bezeichnen die bisherigen Folgen als "verwirrend". Bislang fielen dort wenige Stellungnahmen überschwänglich aus. Am meisten kritisiert wird an den seit Januar monatlich gesendeten Hörspielen aber die eingeschränkte Möglichkeit, die Produktionen herunterzuladen. Heuer werden nur fünf der zwölf Folgen zum Download bereitstehen.

Ekkehard Skoruppa, Hörspielchef des Südwestrundfunks (SWR) und Koordinator des Radio-"Tatort", begründet dies mit den eingeschränkten Rechten, die die ARD an den Hörspielen erworben habe. Zudem sei nach wie vor ungeklärt, inwieweit die Öffentlich-Rechtlichen Sendungen online verbreiten dürften. "Wir wollen aber versuchen, 2009 mehr Folgen zum Download anzubieten", verspricht Skoruppa.

Auf ihn geht auch die eigentliche Idee der Hörspielreihe zurück. "Ich dachte schon lange, es wäre spannend, sich hörend durch Deutschland zu bewegen", erklärt er seinen Ansatz. Gleichzeitig sei es eine Chance, das Genre Hörspiel neu zu beleben. An eine "Renaissance des Hörspiels" glaubt auch Hauptdarsteller Karlheim, der es als besondere Herausforderung empfunden hat, im Studio die verschiedenen Schauplätze zu imaginieren und die Stimme entsprechend anzupassen.

Der BR plant bereits zwei weitere "Tatort"-Hörspiele. Hauptfiguren und Ort, Autor und Regisseur sollen die gleichen bleiben, verrät Dramaturgin Agathos. Wer "Irmis Ehre" im Radio verpasst, kann das Hörspiel bis zum 30. Juni um 23 Uhr am Computer anhören.

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