Christian Springer im  Youtube-Video
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„Glaubt Ihr, dass Ihr so die Welt verändert?“: Christian Springer via Youtube an die Urheber anti-israelischer und antijüdischer Krawalle in deutschen Städten.

Christian Springers Wutrede an junge Muslime

„Hört auf damit!“

  • Rudolf Ogiermann
    vonRudolf Ogiermann
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Normalerweise steht er - wenn nicht gerade Corona ist - auf der Kabarettbühne. Hier aber äußert sich Christian Springer via Youtube. Und was er zu sagen hat, ist keine Satire. Der 56-Jährige wendet sich an junge, hier lebende Muslime, die im Zuge der jüngsten Eskalation im Nahostkonflikt in deutschen Städten für Krawalle gesorgt und dabei auch ihrem Antisemitismus freien Lauf gelassen haben.

Normalerweise kleiden Kabarettisten ihre Kritik an Staat und Gesellschaft in satirische Texte, die sie auf der Bühne präsentieren. Gelegentlich äußern sich Künstler aber auch abseits der Brettl öffentlich zu aktuellen Ereignissen. Diesen Weg hat nun Christian Springer gewählt. In einem rund sechsminütigen Youtube-Video redet der 56-Jährige jungen, hier lebenden Muslimen ins Gewissen, die im Zuge der jüngsten Eskalation im Nahostkonflikt in deutschen Städten für anti-israelische Krawalle gesorgt und dabei auch jüdische Einrichtungen angegriffen haben.

„Ihr wollt Eure Solidarität mit den Palästinensern ausdrücken? Okay! Ihr wollt Israel kritisieren? Okay! Aber nicht, indem Ihr friedliche Mitbürger attackiert“, so Springer auf Englisch in seiner arabisch untertitelten Botschaft. Wie seine Adressaten sei auch er als junger Mann unzufrieden gewesen „mit der Politik, mit der Welt. Aber – wenn ich einige Eurer Kommentare in den Sozialen Netzwerken lese, wenn ich sehe, wie manche von Euch sich auf der Straße aufführen, frage ich mich: Glaubt Ihr wirklich, dass Ihr so die Welt verändert?“

Das Verhalten der Protestierer zeige darüber hinaus, dass sie keinen Respekt hätten vor dem Land, in dem sie lebten, so Springer in seinem emotionalen Appell. Es sei in Ordnung, die israelische Politik zu kritisieren, „aber das hat nichts zu tun mit Eurem jüdischen Kollegen in Hamburg oder mit Eurem jüdischen Nachbarn in Berlin“.

Der Münchner, der selbst Arabisch spricht, verweist in dem Video auf seine Tätigkeit als Gründer der Organisation „Orienthelfer“, die sich in den Ländern des Nahen Ostens engagiert und dort „Hilfe zur Selbsthilfe“ leistet. Er sei im Rahmen seiner Tätigkeit oft vor Ort gewesen, manchmal zweimal im Monat, um „zu helfen in jeder möglichen Weise“. Die Arbeit der Organisation werde aus Spenden deutscher Bürger finanziert, „übrigens auch von Juden“. Er und seine Mitstreiter täten dies, „weil wir Deutsche sind, weil wir aus der Vergangenheit gelernt haben, weil wir wissen, wie sich Krieg und Not anfühlen“, so der Kabarettist: „Wenn Ihr Juden auf der Straße attackiert, attackiert Ihr uns alle. Wenn Ihr Teil unserer Gesellschaft sein wollt, dann hört auf damit! Väter, stoppt Eure Söhne! Jetzt!“

Das Video wurde in den ersten zwei Wochen rund 2500 Mal angeklickt und überwiegend positiv kommentiert. Es gab jedoch auch eine kritische Stimme. In Israel lebten lebten zwei Millionen Palästinenser, „die jeden Tag angegriffen werden von der israelischen Polizei, sogar in ihren eigenen Häusern“, schrieb ein Obai Hamod. In den deutschen Medien „sehen wir nichts davon, keiner zeigt die Wahrheit“. Dies sei der Grund, „warum manche von uns aggressiv sind hier in Deutschland“. Er sei gegen solche Aktionen, „ich sag ja nur, was wahr ist“.

Nicht zum ersten Mal positioniert sich der Kleinkünstler außerhalb der Bühne. So schrieb er im Abstand mehrerer Jahre zwei an die Ministerpräsidenten Horst Seehofer („Landesvater, cool down!“) und Markus Söder gerichtete Bücher. Auch zum Klimawandel äußerte er sich in Buchform. Im vergangenen Herbst sorgte Springer für Schlagzeilen mit einer Attacke auf seinen Kollegen Dieter Nuhr (wir berichteten), den er öffentlich der Lüge bezichtigte.

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