Auto rast in Newscastle in Menschengruppe - Fahrerin festgenommen

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Ich hoffe, mutig genug zu sein

- Die Münchner Kammerspiele-Schauspielerin Julia Jentsch, 26, ist der neue Shooting-Star des deutschen Kinos. Nach der Hauptrolle in "Die fetten Jahre sind vorbei" spielt sie jetzt Sophie Scholl, die Schlüsselfigur der Widerstandsgruppe "Weiße Rose". Gestern hatte der Film auf der Berlinale Premiere.

<P class=MsoNormal>Sophie Scholl repräsentiert das uneingeschränkt Gute in der schrecklichsten Phase der deutschen Geschichte: Gewissensstärke, Mut, Opferbereitschaft - sie ist fast so etwas wie eine politische Heilige, jedenfalls Kultfigur für manche Jungen und ein Vorbild für viele. Hatten Sie keine Angst vor dieser Rolle?<BR>Jentsch: Angst nicht, aber Respekt. Sophie war mir erstmal sehr fremd. Sie wirkte so tough, so stark und so wissend. Das hat mich zunächst zurückgestoßen. Ich fragte mich: Was verstehe ich denn da? Was ich verstehe, ist dieses Unbehagen, dieses sich-wehren-Wollen. Der Dreh selbst war schwierig. Abends musste ich oft im Theater auftreten. Das hat viel Kraft gekostet. Ich habe mich in dieser Zeit sehr zurückgezogen, wenige Menschen gesehen, um mich ganz auf die Rolle zu konzentrieren.</P><P class=MsoNormal>Was können wir von ihr lernen? Was macht Sophie Scholl zur Zeitgenossin?<BR>Jentsch: Nahe ist sie in ihren Empfindungen. Ihrer Zivilcourage. Man kann von ihr lernen, sich nicht herauszuhalten, sich einzumischen, wenn andere angegriffen werden. Da kann sie einem sehr viel zeigen. Sie geht den schwierigeren Weg, den, der mehr Kraft erfordert. Daran kann man sich ein Beispiel nehmen.</P><P class=MsoNormal>Eine Verfilmung dieser Figur ist schwierig. Regisseur Marc Rothemund macht sehr vieles richtig. Man merkt jedem Bild an, wie sehr er sich fragt, was angemessen ist, ob man das so machen kann oder nicht. Die Demut vor dem Thema . . .<BR>Jentsch: Es ist toll, wenn man das Gefühl hat. Denn genauso war es. Das kann ich nur bestätigen: dass Marc Rothemund wirklich mit einem großen Respekt an den Stoff herangegangen ist. Und sich bei jeder Szene noch einmal überprüft hat.</P><P class=MsoNormal>Sie haben schon öfters eine Heldin gespielt, die ihrem Gewissen folgt. Im Theater die Antigone, im Film "Die fetten Jahre sind vorbei" das Mädchen. Hat die Filmfigur etwas mit Sophie Scholl gemeinsam?<BR>Jentsch: Beide blicken über das eigene Leben hinaus und haben ein Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft. Sie erkennen falsche Autoritäten nicht an, vertrauen eigenen Idealen mehr als dem, was vorgegeben wird. Sie haben einen inneren Antrieb. Sie kommen nicht zur Ruhe.</P><P class=MsoNormal>Jetzt läuft "Sophie Scholl" im Berlinale-Wettbewerb. Können Sie Ihre Erwartungen beschreiben?<BR>Jentsch: Ich bin gespannt, ich bin gespannt. Und neugierig, wie der Film aufgenommen werden wird.</P><P class=MsoNormal>Vor einem Jahr hat in der Filmwelt noch niemand gewusst, wer Julia Jentsch ist - wenn er nicht auch in München ins Theater ging. Jetzt wissen es relativ viele. Nehmen Sie Ihren neuen, ziemlich plötzlichen Ruhm überhaupt wahr, denken Sie über so etwas nach?<BR>Jentsch: Was ich gerade merke, ist, dass von mir plötzlich eine andere Form der Öffentlichkeit verlangt wird - so viele Interviews hab' ich vorher noch nicht geführt. Das ist der Unterschied, den ich spüre. Aber ich habe noch gar nicht Zeit gehabt, das aus der Distanz zu betrachten. Um das wahrzunehmen, bin ich gerade zu beschäftigt. Die Außenwirkung hab ich noch nicht erlebt. Mich hat bisher noch niemand auf der Straße angesprochen. Ein Glück.</P><P class=MsoNormal>Vielleicht heißt es in 20 Jahren noch: Hey, Du bist doch die Sophie Scholl!<BR>Jentsch: Es ist schon seltsam. Man freut sich, wenn die Filme angenommen werden, andererseits ist manches auch ein bisschen unheimlich. Weil ich denke: Das hat auch so viel mit äußeren Umständen zu tun, es gibt tausend Gründe für diese Aufmerksamkeit - und ich habe manchmal das Gefühl, dies sei nicht angemessen.</P><P class=MsoNormal>Wann zum Beispiel?<BR>Jentsch: Bei manchen Lobeshymnen. Man kann irgendwann nicht mehr unterscheiden: Ist etwas jetzt wirklich so? Oder wird es bewusst herbeigeschrieben? Alle Dinge, die nicht gut sind, von denen man das selber weiß, treten in den Hintergrund. Das ist schwierig. Denn da fühlt man sich selber noch nicht. Wenn man etwas Positives nach zehn Jahren Film schreibt, ist man irgendwo angekommen, dann ist das berechtigt. Aber wenn da jetzt ein Film ist, und es heißt: das neue Gesicht - dann ist das einfach übertrieben.</P><P class=MsoNormal>Es gibt eben Neugier.<BR>Jentsch: Das klingt ja irgendwie normal. Man ist ein Teil des Ganzen. Man ist abhängig von so vielen Faktoren, vom Regisseur, vom Cutter. Das alles zusammen schafft erst das Bild von der Figur und dann wiederum von der Schauspielerin.</P><P class=MsoNormal>Können Sie sagen, wo Sie als Schauspielerin hin wollen und wie Sie von anderen gern gesehen werden möchten?<BR>Jentsch: Wie ich von anderen gesehen werden möchte, darüber habe ich mir noch nicht viel Gedanken gemacht. Ich kann nur sagen: Ich möchte jetzt nicht als die Rebellin gesehen werden. Das ist irgendwie ein Anfang, jetzt. Ich hoffe, dass ich noch viel mehr verstehen kann und verstehen werde. Dass ich mich noch öffnen kann und dass ich mutig sein werde, genug Sachen auszuprobieren. Das hoffe ich. Wirklich. </P><P class=MsoNormal>Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland</P>

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