Hoffnung auf Erlösung

- Die Reihe "Paradisi Gloria" in der Herz-Jesu-Kirche nimmt in München die Spitzenposition ein, wenn es um zeitgenössische Sakralmusik geht. "Altes Testament und Psalm im 20. Jahrhundert" war das Motto des jüngsten Konzerts, auf dessen Programm Nadja Boulangers Vertonung des 130. Psalms "Du fond de l'abî^me" und als deutsche Erstaufführung Sven-David Sandströms Oratorium "Moses" standen.

<P>"Aus der Tiefe des Abgrunds rufe ich", so der Textbeginn von Boulangers Komposition, in der die Diskrepanz zwischen Verzweiflung und Hoffnung auf Erlösung thematisiert wird. Ein in großen Flächenklängen angelegtes Werk, immer wieder durchbrochen von schroffen Einschüben, die das errettende Ende insbesondere im düsteren Schluss in Frage stellen. Das Werk einer Komponistin, die 1918 im Alter von 24 Jahren starb und die, durch eine schwere Krankheit während ihres kurzen Lebens gemartert, wohl am besten den schmalen Grat zwischen Zuversicht und Hoffnungslosigkeit kannte. </P><P>Schwerpunkt des Abends war Sven-David Sandstöms 1997 uraufgeführtes Oratorium "Moses", das in zwölf Sätzen seinen Lebensweg vom Befreier Israels bis zu seinem Tod behandelt. Im Gegensatz zu dem durch instrumentale Klangmassen weitgehend schlecht verständlichen französischen Text Boulangers lässt Sandströms Musik dem englischsprachige Libretto mehr Präsenz. Ein facettenreiches, auf sehr unterschiedliche Effekte angelegtes Werk, das in seiner musikalischen Umsetzung plastisch die handelnden Szenen lebendig werden lässt, beispielsweise den brennenden Dornbusch oder Kriegslärm.</P><P>Dass beide Werke so nachhaltig wirkten, dafür sorgten die Solisten Jeanette Köhn (Sopran), Birgitta Svendén (Mezzo), Daniel Kirch (Tenor), Karl-Magnus Fredriksson (Bariton) und Paolo Battaglia (Baß), der Chor des BR und das Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Gustaf Sjökvist.<BR><BR></P>

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