Hofmaler des Sonnenkönigs

- Von elf Garben habe er geträumt, die sich vor einer zwölften verneigen, berichtete der junge Joseph seinen Brüdern auf der Weide. Eigentlich hatte er ihnen etwas zu essen bringen sollen. Sie verkauften daraufhin den Lieblingssohn des Vaters Jakob nach Ägypten.

So beginnt der insgesamt 22 Gouachen (von ehemals 27) umfassende Zyklus "Joseph in Ägypten", mit dem Jean Joubert als Hofmaler Ludwigs XIV. um 1686 wahrscheinlich zur Legitimierung von dessen außerehelichen Söhnen beitragen sollte. Zusammen mit 19 weiteren feinstens bebilderten und dekorierten späten Handschriften aus dem Besitz des Antiquars Heribert Tenschert zeigt Konrad C. Bernheimer in seiner Münchner Galerie (Brienner Straße 7) jetzt diese erst 1955 auf dem Pariser Flohmarkt wiederentdeckte, einst im Inventar des Malers am höchsten bewertete Josephsfolge als Beweis seiner aufs Niveau bedachten Kollegialität.

Diese mit Temperafarben auf Pergament gemalten 22 teils hochdramatischen Szenen mit ihren lehrreichen Beschriftungen und bildmäßig gemalten Rahmen blieben in einem Kalbsledereinband des frühen 19. Jahrhunderts bestens erhalten. Stilistisch werden sie in ihren Palast- und Landschaftsdarstellungen, in ihrer figürlichen Präzision und bewegten Farbigkeit in der Nachfolge der Historienmalerei Nicolas Poussins gesehen. Dessen Klassizität weist zugleich über Barock und Rokoko weit hinaus.

Von besonderem Interesse unter den weiteren 19 Manuskripten ist eine mit 50 ganzseitigen Miniaturen in Paris um 1700 illuminierte Sammlung von Büßerinnen-Legenden für Anna von Bayern. Durch ihre Heirat war sie zur Princesse de Condé geworden. Unter ihren 400 Manuskripten war dieser Klein-Oktavband (in schwarzem Haifischleder) ihr wohl der liebste.

 Bis 30. Juli, dienstags bis freitags 10-18 Uhr, samstags bis 14 Uhr. Katalog 25 Euro. Tel. 089/ 22 66 72.

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