Auf hohem Niveau

- Bühne oder Fernsehen, Klassiker, Volksstück oder Musical, "Bergdoktor" oder "Regenmacher", Gerhart Lippert _ inszenieren tut er auch -, lässt sich nicht festlegen. Weder auf Rollenfach noch Genre. Sein jüngstes "Spielfeld": "Ein Abend für singende Schauspieler". Es ist der von Helge Thoma auf den melodischen Schwingen Paul Abrahams ausgeheckte Schwank "Mich hätten Sie sehen sollen".

<P>Mit dabei Chariklia Baxevanos und Monika Dahlberg. Regie führt Helmuth Fuschl. Münchner Premiere ist am 26. März in der Komödie im Bayerischen Hof. Eigentlich ist Gerhart Lippert mit seinen 66 - die er offen zugibt, aber beileibe nicht müsste . . . - noch zu jung für diese Story. Denn sie spielt - in einem Künstlerheim. Dort führen alte Operettenstars zu Ehren ihrer ehemaligen Diva Paul Abrahams "Viktoria und ihr Husar" auf. </P><P>Mit Menschen lachen</P><P>"Ich liebe dieses musikalisch-komödiantische Theater, unterhalte Leute gerne auf hohem Niveau", sagt Lippert, der im Musical-Metier solide Erfahrung hat, von "Kiss me Kate" bis zum "Mann von la Mancha" - den er so gerne nochmal spielen würde. Und auch privat gibt es direkte Beziehungen zur Musik: Seine Mutter war Pianistin, und mit einer Sängerin ist er verheiratet. "Meine Frau Maria, das ist der Glücksfall schlechthin", schwärmt der Schauspieler und von seiner "herrlichen Familie", zu der drei Töchter gehören. Nicole, die Älteste, hat schon ihr Kunststudium abgeschlossen. "Das Schlimmste auf den langen Tourneen ist, von der Familie getrennt zu sein. Ich versuche auch immer, zwischendurch zuhause in Tirol vorbeizukommen", erzählt er und auch vom eigenen, mit so viel  Spaß  gebauten  Haus. </P><P>Es sei aber nicht immer alles rosig gewesen, widerlegt er das herausgerutschte "Glückspilz". Der Vater, ein Maler _ von ihm hat er "das optische Empfinden fürs Bilderstellen" - kehrt als Schwerkriegsbeschädigter von der Westfront zurück, wird im Zweiten Weltkrieg noch einmal eingezogen. Mit der Porträt-Malerei von Hugo Johannes Lippert und einem kleinen von der Mutter betriebenen Café´ in Pietzing am Simssee - Lipperts Geburtsort - kommt die Familie in den schlechten Zeiten irgendwie durch. Trotzdem eine schöne Kindheit. Schon sein Lehrer im Internat Neubeuern bringt ihn zur Theatergilde. Dann Münchner Otto-Falckenbergschule - Nina Carstens und Peter Lühr seine Hauptlehrer - und Erstengagement an den Münchner Kammerspielen. </P><P>"Du musst raus in die Provinz", diesem weisen Rat folgte Lippert, "um mich freizuspielen". Wozu dann an Bühnen zwischen Esslingen, Stuttgart, München (Gärtnerplatz- und Volkstheater), Düsseldorf, Berlin und Wien reichlich Gelegenheit war. Überdies mit großen Regisseuren. Deren gute Schule stimmt ihn kritisch gegenüber dem Regietheater: "Die Presse lobte, aber die Theater wurden immer leerer . . . und die Schauspieler oft missbraucht. Schweikart, Kortner, Ambesser, das waren keine Studierten, sondern eben alle auch Kollegen. Die wussten aus Erfahrung, wie Schauspieler sich fühlen, wie verschieden sie reagieren. Es gibt Langsam-Starter, mit denen muss man halt ein, zwei Wochen länger Geduld haben." Und auf die Frage, was er von der Probenarbeit erwarte: "Ich hab's immer gern, wenn es locker zugeht bei den Proben, wenn man lachen kann. Dann bringt man aus den Leuten auch viel mehr heraus."</P><P>Irgendwann im Gespräch meint er: "Ich bin ja Pensionist." Allerdings ein sehr aktiver. Beruflich - und sonst auch: "Meine vor elf Jahren initiierte Kinderkrebshilfe." Mitfühlen, helfen - das passt zu Lippert. <BR></P>

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