Hollywood am Bodensee - Dreharbeiten zu dem neuen Bond-Film "Quantum of Solace"

Bregenz und Feldkirch - Lässig lehnt Ursula Andress an der Ladentür, wenige Schritte entfernt steht Roger Moore in Skikluft, daneben der "Beißer" mit der Eisenstange. Mehr als ein Dutzend lebensgroße Plastikfiguren von früheren Bond-Darstellern, Bond-Girls und Bond-Bösewichtern schmückten die Straßen im österreichischen Feldkirch.

Schon bevor jetzt die Dreharbeiten zur 22. Folge des 007-Abenteuers im Zentrum der Stadt im Bodensee-Hinterland begannen, "haben sich einige die Bond-Helden einfach in die eigenen vier Wände geholt", erzählt Corina Dreher vom Stadtmarketing amüsiert. Für die Werbefachfrau besteht kein Zweifel: "Die Bevölkerung ist begeistert und sehr stolz."

Nach Einbruch der Dunkelheit beginnt endlich der heiß ersehnte Dreh für das neue Bond-Abenteuer "Quantum of Solace" (frei übersetzt: Ein Quantum Trost), der im November in die Kinos kommen soll. Der britische Titelheld Daniel Craig (40) kurvt im Volvo durch die vom Mobiliar der Straßencafés befreite Marktgasse. Sein Widersacher fährt im Jaguar voraus. Die Pflastersteine glänzen dank eines Spritzeneinsatzes der Feuerwehr. Die Fenster sind erleuchtet, die Anwohner dürfen aber nicht hinauslugen. Schaulustige drängen sich an den Absperrgittern, doch ein Blick auf 007 ist nur wenigen vergönnt. Daniela und Urs Stöckli aus der Schweiz ficht das nicht an. "Die Atmosphäre ist super, ein bisschen wie in Hollywood." Da stört es nicht, dass im Film nur zehn Sekunden des stundenlangen Drehs zu sehen sein sollen.

Alles rund um den Geheimagenten im Auftrag Ihrer Majestät ist streng geheim. Anders als geplant war der blonde Bond-Darsteller, der nach "Casino Royale" zum zweiten Mal die Titelrolle spielt, bereits am Dienstagmittag vor dem Festspielhaus in Bregenz in einer Limousine vorgefahren worden. Eigentlich hatte er sein Bodensee-Debüt in Feldkirch geben sollen. In Sekunden war dann der Star in der als "Red Zone" markierten Tür zum Set verschwunden. Der Flughafen im nahen Friedrichshafen gab bekannt, Craig sei in Begleitung seiner Freundin Satsuki Mitchell mit einer Privatmaschine aus Rom eingeschwebt. Fotos von der Ankunft zeigen den Schauspieler lässig gekleidet mit schwarzer Baseballkappe. So blieb den perplexen Medienvertretern vor dem Festspielhaus nichts anderes übrig, als waghalsige Stunt-Übungen an der Fassade zu beobachten.

Zwei Männer, gesichert durch ein Seil an einem Kran, ließen sich rückwärts vom Dach auf ein dickes Luftkissen fallen. In Bregenz hat auch der über 200 Mann starke Film-Tross seine Zelte aufgeschlagen. Dort gingen die Dreharbeiten dann im Festspielhaus weiter - ohne Zwischenfälle, wie der Festspielsprecher betont. Lediglich ein paar Schaulustige versuchten vergeblich, sich vom Bodensee aus mit einem Boot dem Set zu nähern. Lange vor Saisonbeginn am 23. Juli wurde die riesige Seebühne vorzeitig aus dem Winterschlaf geweckt, um für die Dreharbeiten eine komplette Open-Air-Aufführung von Giacomo Puccinis "Tosca" zu arrangieren. Denn 007 soll den Bösewichtern erstmals in einer Oper nachstellen. Mehr als 1000 Statisten sollen auf der Tribüne die Zuschauer mimen.

Kein Wunder also, dass es in der Hauptstadt des österreichischen Bundeslands Vorarlberg seit Tagen nur ein Gesprächsthema gibt. Drei Teenager in der Fußgängerzone nennen es "cool", dass ihre Stadt ins Kino kommt. Die 17-jährige Vanessa aber hat an Craig etwas auszusetzen: "Ich find's nicht so gut, dass der blond ist." Auch für die 53-jährige Lisa Mittler ist und bleibt nur Sean Connery der wahre James Bond. "Danach war für mich nix mehr." Doch viele Fans fieberten dem Großereignis schon seit Wochen entgegen. Ein begeisterter Bäcker hat Brezen in 007-Form gebacken; ein Rahmenprogramm unter freiem Himmel wurde vorbereitet, mit Cocktailbars, Bonds flotten Flitzern, Live-Konzerten mit Bond-Film-Melodien und vielem anderen: Hollywood liegt jetzt am Bodensee.

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