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Den Philharmonikern würde Maazels tolle Schlagtechnik gut tun.

Lorin Maazel soll Chef der Philharmoniker werden

Holt München den teuersten Dirigenten der Welt?

München - Es wäre der Hammer in der Münchner Kultur-Szene: Als Ersatz für Ex-Dirigent Christian Thielemann könnte bei den Münchner Philharmonikern bald Lorin Maazel den Taktstock schwingen.

Es ist seit Monaten eine zermürbende Suche. Und fündig sind die Münchner Philharmoniker noch immer nicht geworden: Der Markt ist wie leer gefegt, und manch Umworbener hat nach den hausgemachten Münchner Querelen abgewunken. Um das Orchester nach dem Weggang Christian Thielemanns nicht in ein künstlerisches Loch fallen zu lassen und verärgerte Abonnenten bei der Stange zu halten, ist man nun offenbar auf eine spektakuläre Zwischenlösung gekommen: Superstar Lorin Maazel, der am 6. März 80 Jahre alt wird, soll für drei Jahre als Interims-Chef verpflichtet werden.

Die Phase einer bloßen Idee hat das „Modell Maazel“ schon hinter sich gelassen. Wie berichtet wird, sind städtische Gremien und Oberbürgermeister Ude damit befasst. Strittig ist demnach die Vertragsgestaltung: Die Stadt will angeblich den Amerikaner für die Interimszeit als Chefdirigenten fest anstellen, Maazel dränge jedoch auf eine Art freiberufliche Vereinbarung, heißt es. Bei der Stadt gibt man sich verschlossen. Kein Kommentar aus Udes Büro und vom philharmonischen Intendanten Paul Müller. Und beim Orchester weiß nur der Vorstand von den Plänen.

Sollte die Verpflichtung Maazels klappen, wäre das ein Coup. Der Dirigent gilt zwar als genialische Diva, die sich bei schlechter Laune auf ihre fast konkurrenzlose Schlagtechnik verlässt. Gleichzeitig ist der kühle Kontrollator aber ein fordernder, herausragender Orchestererzieher und mit dem Münchner Musikmarkt bestens vertraut: Von 1993 bis 2002 war Maazel Chefdirigent der BR-Symphoniker. Technisch sei er der Dirigent gewesen, der das Ensemble entscheidend vorangebracht hat – sagt jeder BR-Musiker.

Für die Philharmoniker könnte die Lösung Maazel existenziell werden. Viele Musikfreunde denken aus Wut über die Abservierung Thielemanns an eine Abo-Kündigung oder haben bereits gekündigt. Auch wird befürchtet, das Ensemble büßt ohne großen Chef-Namen erheblich an Bedeutung ein. Mehrfach, so wird erzählt, habe es beim Orchester schon Krisengespräche gegeben.

Die Pointe: Der „Rettungsversuch“ wäre die teuerstmögliche Lösung. Maazel gilt als bestbezahlter Dirigent der Szene. Der Focus hat einmal berechnet, dass der Maestro während seiner BR-Zeit rund 2,4 Millionen Euro pro Saison bekommen habe.

Einen Vorteil wiederum hat die Sache: Maazel hat Zeit, gerade nach seinem Abschied beim New York Philharmonic Orchestra. Er ist zwar Chef des städtischen Orchesters von Valencia. Doch diese Position ist längst nicht saisonfüllend. Dort trifft Maazel regelmäßig auf Zubin Mehta, Ehren­dirigent der Münchner Philharmoniker. Es liegt also nahe, dass Mehta in der möglichen Verpflichtung Maazels eine gewichtige Rolle spielt, kann er doch selbst kaum zusätzliche Münchner Dirigate übernehmen: Anders als Maazel ist der Promi-Kollege mit Chefposten (Maggio Musicale Florenz, Israel Philharmonic Orchestra) und Gast-Verpflichtungen mehr als ausgelastet.

Für Maazel wäre das Münchner Engagement wohl seine letzte Chefposition. Schon vor zehn Jahren hat er gemeint: „Irgendwann sollte man doch die Entscheidung treffen, wie lange man noch aktiv sein kann. Bei dieser Überlastung in jedem Bereich muss man mal sagen: Schluss! Nur noch das, was Freude macht!“ Gut möglich also, dass eine satte finanzielle Offerte aus der Landeshauptstadt bei dem Star Freude aufkeimen lässt.

Markus Thiel

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