Holtzmanns "Fülle des Wohllauts"

- Musik, in Worten kristallisiert, zu Sätzen verdichtet, in Literatur verwandelt: das Kapitel "Fülle des Wohllauts" aus Thomas Manns Roman "Der Zauberberg". Die Neuanschaffung des Lungensanatoriums, wo Hans Castorp seine Tuberkulose pflegt, macht dem Dichter den musikalischen Exkurs möglich: "Es war ein strömendes Füllhorn heiteren und seelenschweren künstlerischen Genusses. Es war ein Musikapparat. Es war ein Grammophon." So schreibt Thomas Mann, um in der Folge seinen gewitzten Kommentar abzugeben über Castorps Hitparade, über Bizets "Carmen" und Verdis "Aida", über "unverschämten Cancan" und das Volkslied "Am Brunnen vor dem Tore".

<P>Thomas Holtzmann las im Münchner Prinzregententheater das berühmte Kapitel, während Schellack-Aufnahmen der Arien, Vorspiele und Lieder dazu eingespielt wurden. Dass die Literatur sich zurückverwandelte in Musik und Balsam für die Ohren, dafür sorgte aber Holtzmann selbst. Mit der Fülle von Wohllauten seiner Stimme, mit dezenten Verzierungen durch Gesten oder dem Zucken der Augenbraue, mit dem Musizieren seines ganzen Körpers. Schade, dass an manchen Stellen die Musik ihn übertönte.</P><P>Umso betörender, wenn er seine Solostellen so richtig auskostete, an sperrigen Stellen federleichte Akzente setzte und mittels virtuoser Verfärbungen der Stimme das Personal karikierte: "Sie waren zwar krank, aber roh." <BR></P>

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