Homer war doch kein Schul-Dichter

München - Die Ausstellung "Mythos Troja" in den Antikensammlungen am Münchner Königsplatz, die im Februar 2008 endet, ist ausgesprochen erfolgreich. Davon begeistert war auch Ludwig Kaminski, der deutsche Vertreter der Alexander S. Onassis Public Benefit Foundation, die griechische Kunst, Kultur und Wissenschaft fördern möchte und vor allem in den USA aktiv ist. Aristoteles Onassis wollte mit ihr seinem Sohn, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, ein Denkmal setzen.

Antikensammlungen: Raimund Wünsche

über "Die Rache des Achill" und Theater im Museum

Der Stiftung waren die theatralen Antiken-Arbeiten von Georg Rootering in Liechtenstein bekannt, und so war der Vorschlag naheliegend, sich in die Münchner Schau mit einem passenden Stoff aus dem Mythen-Kreis aus Homers "Ilias" einzuschmiegen. Beim Chef der Glyptothek und Antikensammlungen, Raimund Wünsche, fand man für das Projekt "Von Helden und Tränen - Die Rache des Achill" einen aufgeschlossenen Gastgeber. Es wird am 22., 24. und 25. November eine "szenisch-musikalische Installation" geben. Zwei Schauspieler sprechen Texte von Frank Raddatz nach Homer. Dazu gibt es Percussion-Klänge.

"Die Ausstellung ist keine Illustration der ,Ilias", erklärt Wünsche, "und das Stück ist in sich völlig schlüssig. Aber es ist schön, wenn man zusätzlich sagen kann: Schaut, d a s ist auf den Vasen und in den Statuen hier im Saal dargestellt. Wort und Bild werden in Übereinstimmung gebracht." Ein Vorteil sei auch der "intime Rahmen, der die Dramatik des Geschehens deutlich werden lässt". Außerdem könne man die antike Atmosphäre spüren, "wie das war, wenn Homer rezitiert wurde, einer die Doppelflöte spielte, und man aus Schalen trank, auf denen die Heldenszenen gemalt waren. Homer war doch kein Schul-Dichter! Und die damals wussten, was dort dargestellt ist."

Weil das heute nicht mehr so sei, sei es wichtig, immer wieder derartige Projekte - wie auch im Sommer die Stücke von Gunnar Petersen im Hof der Glyptothek - ins Museum zu holen, betont Wünsche. "Die Menschen bringen die Mythen und die Bilder nicht mehr in einen Zusammenhang. Es fehlt das Gesamtbild. Die Malereien gehen auf die Dramen und Epen zurück: Wenn man im Residenztheater oder an den Kammerspielen die Inszenierung der ,Bakchen angeschaut hat, dann konnte man hier bei uns auf den Vasen die rasenden Mänaden finden." Solche Bezüge will Wünsche auch für die geplante Ausstellung "Starke Frauen" (ab Frühling 2008) in Lesungen und Ähnlichem herstellen.

Die aktuelle Aufführung "Von Helden und Tränen" erzählt vom wütenden Achill, der in Trauer um seinen Freund Patroklos bestialische Rache an Hektor nimmt. Als dessen Vater Priamos aber den Leichnam von ihm erfleht, weint Achill; es kommt zur Versöhnung. Ist das der Punkt, wo unser christlich geprägtes Verständnis andocken kann? Achills Verhalten sei vor allem eine "Conditio humana", entgegnet Raimund Wünsche, aber dieses menschliche Grundverständnis sei "vom Christentum stark aufgenommen worden.

Die ,Ilias ist ja ein Buch der Normen, in dem eben auch betont wird: Man muss verzeihen können. Seine Bilder sind stark und überzeitlich, weil darin die gesamte Breite des Menschlichen abgedeckt ist. Und die Menschen haben sich nicht geändert."

Vorstellungen:

22., 24., 25.11., 20 Uhr, Karten (10 Euro) sollten vorbestellt werden, da das Platzangebot beschränkt ist; Tel. 089/ 28 61 00. Die Ausstellung läuft bis Februar 2008.

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