+
Am Ende einer Schlacht, die Quentin Tarantino nicht blutiger hätte inszenieren können: Silke Hundertmark als junge Frau, die auf die Geister der Vergangenheit trifft.

Grausam gut

"Horror" im Deutschen Theater: Die Kritik

  • schließen

München - Jakop Ahlboms Produktion „Horror“ bringt Elemente des Gruselfilms ins Deutsche Theater. Hier lesen Sie die Kritik.

Dieser Theaterabend ist eine Geisterbahnfahrt ohne Fahren. Mit seiner Inszenierung von „Horror“ verneigt sich der schwedische Regisseur Jakop Ahlbom vor dem Horrorfilm-Genre – mit den Mitteln des Theaters. Erzählt wird eine klassische Gruselgeschichte: Eine junge Frau kehrt in ihr verlassenes Elternhaus zurück, wo sie und ihre Schwester einst von Vater und Mutter misshandelt wurden. Was ein ruhiger Abend werden sollte, artet zur blutigen Schlacht aus. Denn die Geister der Vergangenheit geben keine Ruhe. Ahlbom inszenierte das oft grausam gut, spannend, derb, auch tieftraurig und mitunter komisch. Dass es dramaturgisch in den 80 Minuten (keine Pause) manchmal holpert: geschenkt.

Der Regisseur greift für seine Produktion, der ein subtilerer Titel zu wünschen gewesen wäre, tief in die Theatertrickkiste und wirft die Effektmaschine an. Seine Sounddesigner Wim Conradi und Bauke Moerman sind wahre Schmerzensmänner und jagen alles durch die Boxen, was auf die Tonspur eines Horrorfilms gehört: Kreischen und Klopfen, Wimmern, Winseln und Wispern, Heulen und Zähneklappern. Geräusche und Musik kommen ähnlich punktgenau wie die Lichteffekte, durch deren klugen Einsatz Ahlbom vergessen macht, dass auf der Bühne weder Schauplatzwechsel noch Schnitt wie im Film möglich sind. Selbst die Videoprojektionen dominieren die Inszenierung nicht, sondern wurden vom Regisseur elegant eingebunden.

Gesprochen wird in „Horror“ nicht. Dem achtköpfigen Ensemble gelingt es, ausschließlich durch Gestik, Mimik, Bewegung und Tanz vom Leiden der beiden Schwestern zu erzählen: ein Ballett des Grauens – und eine Sammlung von Filmzitaten. Gegenstände bewegen sich von Geisterhand, Menschen und Leichen schweben, eine Hand wird abgehackt, um dann wie bei der „Addams Family“ eiskalt über die Bühne zu krabbeln, und der Showdown wirkt wie von Tarantino. Das Theater empfiehlt den Besuch dieser Geisterstunde ab 16 Jahren – man tut gut daran, den Rat zu beherzigen.

Weitere Vorstellungen

bis 18. September;

Telefon 089/ 55 23 44 44.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Höllen-Glöckner von AC/DC
Zusammen mit seinem Bruder Angus gründete Malcolm Young 1973 AC/DC und schrieb Rockgeschichte. Jetzt ist der Gitarrist nach langer Krankheit im Alter von 64 Jahren …
Der Höllen-Glöckner von AC/DC
Marilyn Manson in München: Wie Luzifer auf dem Thron
Trotz eines gebrochenen Beins tritt Marilyn Manson in der Münchner Zenithhalle auf. Dort bietet er seinen Fans eine kurze, aber wohl unvergessliche Show - bis die …
Marilyn Manson in München: Wie Luzifer auf dem Thron
Wiener Tatort-Star Adele Neuhauser: „Ich bin mir lange im Weg gestanden“
Die Wiener-Tatort-Kommissarin Adele Neuhauser erzählt im Interview von ihrer Autobiografie. Mutig aber nicht voyeuristisch - so sollte ihr Buch werden. Nun wird bereits …
Wiener Tatort-Star Adele Neuhauser: „Ich bin mir lange im Weg gestanden“
Konzertabbruch: So krank war der Jamiroquai-Sänger wirklich
Es war eine „Stimmbandentzündung mit Aphonie“ (Stimmverlust), die Sänger Jason „Jay“ Kay von Jamiroquai zum Abbruch des Konzerts am Donnerstagabend in der fast …
Konzertabbruch: So krank war der Jamiroquai-Sänger wirklich

Kommentare