Horrorzirkus der Heimlichkeiten

- In einem Heckenlabyrinth der Dämmerung: Die Schatten werden lang, die Grüntöne verfließen. Eigentlich gibt es keinen Grund zur Beunruhigung, doch aus dem unwirtlichen, menschenleeren Dunkel erwächst ein beklemmendes Gefühl.

Man steht vor Sid Gastls großformatigen Öl-Irrgärten und fürchtet sich vor den eigenen Vorwegnahmen. Ähnlich wirken die langen Panorama-Gemälde, in denen der Maler sich einsamen Bungalows oder fensterlosen Häusergruppen nähert. Was hier fehlt, ist Zivilisation, die Gebäude besitzen keinen Halt - nur eine bedrohliche Verlorenheit und Stille.

 "Lost Silencio" heißt daher auch in mysteriöser, loser Zweisprachigkeit die Schau in der Münchner Rathausgalerie, die sich in Malerei und Video mit drei aktuellen Positionen zum Unheimlichen auseinander setzt. Sie steht als negativer dritter Teil einer Reihe zum Thema "Heimat".

Im Gegensatz zu den unbevölkerten Nirwana-Bühnen Gastls vegetieren Menschen in den Ölszenarien Luigi Troias. Doch auch bei ihm findet man sie nur in Un-Behausungen: In seiner Serie "Neue Heimat" drängen sie sich verknäult in ein Armeezelt, das inmitten eines schwarzen Gräberfeldes steht. Bunter sind die Narren, welche Troia vor seine Einöden stellt - doch von den roten Clownsnasen tropft das Blut, der friedliche Pinselstrich trügt in diesem Horrorzirkus der gefangenen Heimlichkeiten.

Gefangene, das sind auch die abgetrennten Männerköpfe in Alexandra Ranners Videoinstallationen. "Ich habe genug", klagt der körperlos im Rathausgalerie-Brunnen Dahintreibende durch eine Bach-Kantate. Doch würde ihm in seinem Elend auch die Gesellschaft von anderen nichts nützen, wie Ranners neueste Videoarbeit "April" beweist: Hier fluchen zwei Dutzend Köpfe in einer unwegsamen Gerölllandschaft über ihre Ausgeliefertheit im wechselhaften Wetter.

"Lost Silencio" ist wahrlich keine Schau zum Wohlfühlen. Doch das Vermögen der Künstler in der Darstellung einer unsichtbar (Gastl), maskiert (Troia) oder deutlich (Ranner) ausweglosen Tristheit wirkt dadurch umso eindrücklicher.

Bis 28. April, Di.-So. 11-19 Uhr. Info: 089/ 23 32 78 67.

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