Hosen runter - und das war's

- Ein paar nackte Männerhintern an sich sind nun wirklich gar nicht komisch. Die Komik bei "Ladies Night" resultiert aus der Tragik der Situation: Wie sich sechs arbeitslose Männer - Fabrikarbeiter, Wachleute, ein höherer Angestellter - aus ihrer verzweifelten Lage herauswinden. Wie sie dem Unglück ein Schnippchen schlagen. Wie sie einen letzten Versuch starten, zu Geld zu kommen: Männerstriptease heißt der Rettungsanker, eine Show nur für Frauen.

<P>Herrlich selbstironisch, wie diese reifen Knaben, von denen keiner ein Adonis ist, tanzen lernen, sich genieren, sich streiten, Klamotten für ihren Auftritt klauen; wie sie Angst haben, wie sie aussteigen aus dem Projekt und wie sie zum Countdown schließlich doch alle wieder zusammenhalten. Zu viel steht auf dem Spiel. Dafür lassen sie - hühnerbrüstig, steifbeinig, fettleibig - ein einziges Mal die Hüllen fallen. . .<BR><BR>"Ganz oder gar nicht" hieß der britische Film, der diese Geschichte hinreißend erzählte. "Ladies Night" nennt sich das Theaterstück dazu von Stephen Sinclair und Anthony McCarten, das an den Bühnen der Republik landauf landab als Dauerbrenner gilt und jetzt auch in München angekommen ist.<BR><BR>In Jochen Schölchs ambitioniertem Metropoltheater, das zuletzt sein Publikum mit dem "Ballhaus" so verwöhnt hat, inszenierte Karsten Wiegand diesen englischen Angriff auf die Lachmuskeln als einen nur schwer in Fahrt kommendes, pusseliges Sozialkitsch-Drama. Es ist das Einfache, was bekanntermaßen so schwer zu machen ist. Dem jungen Regisseur, der allerdings in Weimar unter anderem als Co-Regisseur mit einem tollen "Faust" punkten konnte, scheint's am besonderen Talent zur Komödie zu mangeln. Ihm fehlen Tempo, Rhythmus, Esprit und Witz. </P><P>Unter diesen Umständen ließen sich auch die Schauspieler nicht gerade zu Höchstleistungen verführen. Hosen runter - und das war's. Das Kreischen einiger wild gewordener Zuschauerinnen ist nun doch zu billig erkauft.<BR></P><P>Nächste Vorstellungen: 26., 27. 7., 30. 7. bis 2. 8. Tel. 089/ 32 19 55 33</P><P><BR> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kris Kristofferson im Circus Krone: Country und Folk im Punkrockformat
Am Dienstag speilte Kris Kristofferson im nicht ganz ausverkauften Circus-Krone. Statt vieler Ansagen gab es ein ambitioniertes Pensum an Songs. Trotzdem fehlte dem …
Kris Kristofferson im Circus Krone: Country und Folk im Punkrockformat
Weltkino mit rabenschwarzem Humor
158 Produktionen aus 43 Ländern sind beim Münchner Filmfest vom 28. Juni bis 7. Juli zu sehen – der Vorverkauf hat begonnen.
Weltkino mit rabenschwarzem Humor
Peter Konwitschny inszeniert Straus: Mit den Waffen der Operette
Wie andere könnte man sich über die Operette lustig machen. Oder man nimmt den „Tapferen Soldaten“ so ernst wie Peter Konwitschny bei seinem späten Debüt am …
Peter Konwitschny inszeniert Straus: Mit den Waffen der Operette
Waka waka: Shakira bringt die Olyhalle zum Ausflippen
Popstar Shakira hat am Sonntagabend in der ausverkauften Olympiahalle die Massen zum Ausflippen gebracht. Die Kritik:
Waka waka: Shakira bringt die Olyhalle zum Ausflippen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.