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Verjüngungskur: Howard Carpendale.

Konzertkritik

Howard Carpendale in der Philharmonie – fit für die Zukunft

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Die Show von Howard Carpendale in der fast ausverkauften Philharmonie am Gasteig kommt jugendlicher und flotter daher als in den vergangenen Jahren.

Heutzutage muss alles moderner, jünger, cooler sein. Deshalb gibt es im Ersten keinen rustikalen Stadl mehr, sondern den glitzernden Schlagerbooom. Und nicht einmal der „Alte“ im ZDF-Krimi ist mehr richtig alt. Beim Verjüngen macht jetzt auch Howard Carpendale mit. Seine Show in der fast ausverkauften Philharmonie am Gasteig kommt jugendlicher und flotter daher als in den vergangenen Jahren. Frischzellen-Howie hat mit 71 seine Konzerte fast so sehr modernisiert wie Christian Lindner die Wahlplakate der FDP.

Das fängt schon mit einem düster rockenden Intro an, das eher nach Rammstein klingt. Als der Vorhang fällt, ist erst einmal alles schwarz – die Bühne, auf der die Musiker ständig dynamisch ihren Standort wechseln, und auch Howie selbst. Im schwarzen Outfit wirkt der wuchtige Barde verschlankt. Als Backgroundsängerin ist jetzt die talentierte junge Bella an Bord. Damit’s nicht zu fortschrittlich wird, singt Howie mit ihr den Country-Klassiker Islands in the Stream, so bleibt die Balance zwischen alt und neu gewahrt.

Ti amo, der legendäre Tozzi-Heuler, beginnt jetzt als entspannte Nachtclub-Ballade. Hitparaden-Futter wie Fremde oder Freunde oder Dann geh doch gibt’s als zackige Medleys. Genau fünfzig Jahre (er sagt „fuffsisch“) ist Carpendale jetzt in Deutschland, und das Zuhören macht immer noch Spaß. Billige Witzchen über Trumps Frisur und düstere Endzeit-Predigten darf er sich zwar gerne sparen. Aber hübsche Ideen wie das

Beatles-Cover I should have known better, bei dem er Mundharmonika spielt, freuen junge und alte Fans gleichermaßen. So ist Carpendale fit für die Zukunft.

Jörg Heinrich

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