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Interview zum neuen Album

Howard Carpendale: "Wir müssen bewusster leben"

Howard Carpendale spricht im Interview über sein neues Album „Das ist unsere Zeit“, die Kluft zwischen Arm und Reich und Helene Fischer.

Im Jahr 2007 feierte Howard Carpendale (69) sein Comeback. Vier Alben hat er seitdem veröffentlicht, heute kommt mit „Das ist unsere Zeit“ das fünfte in die Läden. Am 12. November tritt er in der Münchner Olympiahalle auf. Ein Gespräch über Zeit, Geld und Helene Fischer.

Ihr neues Album beschäftigt sich mit dem Thema Zeit.

Das war eigentlich gar nicht geplant. Ich denke aber, wir müssen bewusster in der Zeit leben, in der wir uns befinden. Die Sekunden fliegen vorbei, und wir müssen genau hingucken und bewusst wahrnehmen, was mit uns passiert.

Auf Facebook schrieben Sie kürzlich: „Die Zeiten sind nicht so kompliziert, wie sie scheinen.“

Das größte Problem unserer Zeit ist die Schere zwischen Arm und Reich. Es wäre aber gar nicht so schwer, dafür eine Lösung zu finden. Wir müssten dringend über Geld sprechen, denn da läuft etwas absolut falsch: Es gibt so viele Milliardäre, die jedem Menschen auf der Erde ein vernünftiges Leben ermöglichen könnten. Wir, denen es gut geht, müssen für den Rest sorgen. Aber im Moment passiert genau das Gegenteil, und das ist sehr tragisch.

Einige Lieder auf der neuen CD klingen sehr nachdenklich.

Merkur-Mitarbeiterin Johanna Popp im Interview mit Howard Carpendale.

Ich will in erster Linie Lieder machen, die die Leute begeistern. Nachdenkliche Titel sind mir wichtig, aber ich will kein Liedermacher sein. Ich habe ein ganz junges Team, das diese Texte schreibt, und ich bin rundum damit zufrieden, was daraus geworden ist.

Wo ist der Unterschied zu Ihrer früheren Arbeit?

Die ganze Sprache ist anders, mit einer gewissen Leichtigkeit. Die meisten Themenvorschläge kamen von mir, das Team hat sie dann bearbeitet, und am Ende gingen wir alles gemeinsam durch. Ich änderte das, womit ich mich nicht wohlfühlte.

Als Sie sich 2003 aus dem Showgeschäft zurückzogen, sagten Sie, Ihr Leben sei zu vorhersehbar geworden. Ist das jetzt, acht Jahre nach Ihrem Comeback, anders?

Ja. Damals hatte ich 30 Jahre lang mit dem gleichen Team gearbeitet. Das war mein Hauptproblem. Wir saßen uns beim Komponieren gegenüber, sahen uns an und dachten: Es ist alles gesagt. Das machte mich müde und hoffnungslos. Jetzt sind neue Leute um mich herum, die weitaus jünger sind als ich. Ich kann nur jedem empfehlen, der ein gewisses Alter erreicht hat: Such’ die Jugend.

Ihr Abschied 2003 klang endgültig. Würden Sie noch einmal einen solchen Schlussstrich ziehen?

Ich glaube nicht. Ich denke, ich bin noch ziemlich fit und parodiere mich nicht selbst. Vielleicht kommt der Tag aber wirklich irgendwann, und ich hoffe, dass ich dann merke, wenn es soweit ist.

Sie waren oft genervt von Ihrem Schlager-Image. Hat sich das geändert?

Das Problem im deutschen Showgeschäft besteht darin, dass die Leute bei Veränderungen nicht mitkommen. Ich hoffe aber, dass irgendwann akzeptiert wird, dass sich ein Künstler entwickeln muss, sonst lügt er. Wenn ich heute noch einmal ein „Spuren im Sand“ herausbringen würde, würde ich mich damit sehr unwohl fühlen. Titel, die damals genau richtig waren, passen heute nicht mehr.

Erlebt der Schlager mit Helene Fischer nicht gerade eine Renaissance?

Wenn das so wäre, würden überall Schlager laufen. Es laufen aber nur Helene Fischer, Andrea Berg und Beatrice Egli. Es geht um die Künstler, nicht um die Musik. Helene hat ihren Erfolg sicher verdient, aber ich glaube, auch sie legt sehr viel Wert darauf, sich zu entwickeln. Und das ist richtig so.

Was erwartet die Fans auf Ihrer Tour im Herbst?

Ein geiles Konzert. Meine Konzerte sind immer sehr intensiv, die Leute stehen fast zweieinhalb Stunden, es gibt alte und neue Lieder. Die Leute sollen lachen, weinen und tanzen und am Ende sagen können: Das war ein Hammer-Abend.

Das Gespräch führte Johanna Popp.

Howard Carpendale: „Das ist unsere Zeit“ (Universal). Howard Carpendale stellt sein Album am 12. November in der Münchner Olympiahalle vor. Karten gibt es unter Telefon 01805/ 60 70 70.

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