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Seine "Alien"-Figuren sind bis heute Kult. Jetzt ist der Schweizer Fantasy-Visionär H.R. Giger mit 74 Jahren überraschend gestorben.

Er erfand "Alien"

Zum Tod von H.R. Giger: Furcht und Faszination

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München - Der Schweizer Künstler H. R. Giger, der „Alien“ erfand, ist im Alter von 74 Jahren an den Folgen eines Sturzes gestorben. Ein Nachruf dieser Zeitung.

Wer begreifen will, was H. R. Gigers Kunst mit dem Betrachter anstellt, muss sich zunächst zu einem Geständnis durchringen: Tief in jedem von uns schlummert eine bedrohliche Suppe unbestimmter Angst, vor der uns weder Überheblichkeit noch Verdrängung oder gnadenlose Rationalität schützen können. Giger wusste um das so furchteinflößende wie faszinierende Potenzial dieser Abgründe im Menschen, die von der Zivilisation gewissenhaft verdeckt werden. Und er wusste um die Wirkungsmacht der Ehe von Grauen und Schönheit. In seiner bekanntesten Arbeit, dem Alien, jenem „unheimlichen Wesen aus einer fremden Welt“ wie es im Untertitel zu Ridley Scotts Film aus dem Jahr 1979 heißt, hat der Schweizer Künstler diese Verbindung zur Vollendung gebracht. Jetzt ist H. R. Giger, der sich selbst einen Surrealisten nannte, im Alter von 74 Jahren in einem Zürcher Krankenhaus an den Folgen eines Sturzes gestorben.

"Alien" begründete den Weltruhm von Giger

„Alien“ begründete den Weltruhm des Mannes, der 1940 im Alpenkanton Graubünden als Sohn einer Apothekerfamilie geboren wurde; 1980 erhielt er für seine Leistung den Oscar für die besten visuellen Effekte. Das Weltraummonster, das in einer fernen Zukunft die Besatzung eines Raumschiffs (fast) vollständig vernichtet, war so ganz anders als alle Monster, die das Kino bis dato kannte: Während der Zuschauer bei Godzilla, King Kong und Co. nie mit absoluter Sicherheit sagen konnte, ob das Wesen wirklich böse ist (oder einfach nur überfordert in einer ihm fremden Welt), lässt das Alien keine Zweifel: Sein Existenzgrund ist die schnelle und totale Vernichtung allen Lebens außer dem der eigenen Spezies; dabei ist es (so gut wie) unverwundbar – und von außerordentlicher, tödlicher Perfektion und Schönheit. Was für eine Mischung!

Und was für eine Botschaft, dass diese Ausgeburt der Hölle aus dem Menschen selbst kommt, um diesen zu vernichten: Auch wer die Szene häufiger gesehen hat, wird jedes Mal erneut zusammenzucken, wenn das Wesen gleich zu Beginn des Films aus dem Brustkorb des Astronauten Gilbert Ward Kane (John Hurt) bricht. Doch Giger hatte nicht nur die Kreatur entworfen, sondern auch das Design des Films – eine stimmige, gewissenhaft vorbereitete Arbeit, die viel zum Erfolg der Produktion und damit auch zum Durchbruch der Schauspielerin Sigourney Weaver beitrug.

Der Künstler, der eigentlich Hansruedi hieß, hatte bereits während des Innenarchitektur- und Industriedesign-Studiums an der Zürcher Kunstgewerbeschule gezeichnet. „Atomkinder“ hießen erste, apokalyptische Arbeiten mit der Tuschefeder, die in Untergrundzeitschriften veröffentlicht wurden. Der als scheu und zurückhaltend beschriebene Mann wurde zu einem wichtigen Vertreter des „Fantastischen Realismus“. Er schuf – nicht nur für die Kino-Leinwand – düstere Landschaften, bizarre, aber auch exotisch-schöne Kreaturen.

Alien-Erfinder Giger: Bilder aus seinem Leben

H.R. Giger: Bilder aus seinem Leben

Manches Werk schrammte allerdings scharf am Fantasy-Kitsch vorbei. Vielleicht war das der Grund, warum renommierte Kunsthäuser stets einen Bogen um die Werke des Schweizers machten. Giger nahm’s sportlich und baute Schloss St. Germain in Greyerz (La Gruyère im Kanton Freiburg) zu seinem Museum aus. Seit 1998 sind dort seine Gemälde und Plastiken zu sehen: „Biomechanoiden“, die das Mechanische im Lebendigen betonen und umgekehrt.

Neben seiner Arbeit als Maler und Bildhauer entwarf H. R. Giger Möbel (beispielsweise die Stühle für den Science-Fiction-Film „Dune“), Ungewöhnliches (einen Mikrofonständer für den Sänger der Metalband Korn) und Plattencover, etwa für das Album „Brain Salad Surgery“ (1973) der Band Emerson, Lake and Palmer. Doch nirgends hat er Schrecken und Schönheit derart wirkungsmächtig zur Synthese gebracht wie beim Alien. Grauenhaft. Wunderschön.

Michael Schleicher

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