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Hubert von Goisern spielt, 13.000 Menschen kommen: Der Alpenrocker trat am Freitag auf dem Königsplatz auf.

13.000 Fans auf dem Königsplatz

Hubert von Goisern - der nachdenkliche Alpenrocker

München - Kantiger Kerl, weiches Herz: Alpenrocker Hubert von Goisern gibt sich auf dem Königsplatz nachdenklicher als gedacht.

Und plötzlich bekommt Hubert von Goisern ein Alphorn gebracht. Es sei doch keine Schweizer Erfindung, wie er lange glaubte, deshalb habe der oberösterreichische Multiinstrumentalist begonnen, auch dieses Instrument zu spielen. Sagt es und fängt an, dumpfe Töne zu erzeugen. Er steht dabei im hinteren Teil der mittlerweile dunklen Bühne in einem Lichterkegel. Dazu sanfte Trommeln und Gitarren, dazwischen seine typischen Jodler, und hinter der Antikensammlung lugt der Halbmond hervor. Ein magischer Moment.

Was Volks-Rock’n‘Roller Andreas Gabalier kann, das kann der Alpenrocker schon lange.

13.000 Menschen sind in diesen Minuten am Freitagabend auf dem Münchner Königsplatz sichtlich ergriffen. Gepackt von Hubert von Goiserns Musik. Endlich! Denn in der ersten Stunde des Open-Air-Konzerts bei „,lässigem Wetter“, als die Sonne noch scheint, herrscht eine wahrlich komische Stimmung. Fast unscheinbar kommen der 62-Jährige und seine vierköpfige Band auf die Bühne. Fast unbeachtet. Viele der Zuschauer sind noch damit beschäftigt, sich mit Bratwürsten und Bier auszustatten, Selfies mit der tollen Kulisse zu machen oder ihren Platz auf dem komplett bestuhlten Areal zu suchen.

Eine Herausforderung für von Goisern, die er zunächst nicht meistert. Nur wenige tanzen am Rand. Anstatt mit einem seiner Gassenhauer die Stimmung anzuheizen, reist der Weltenbummler mit den Fans noch einmal in die Südstaaten der USA, wo sein aktuelles Album „Federn“ entstanden ist. Mit im Gepäck: Neuinterpretationen von Evergreens, druckvolle Rocknummern, Country-Einflüsse, Blues, viel Blues, Balladen – und jede Menge Schnaps als „Medizin“. Alles gut produziert, gewohnt souverän musiziert, doch die typische Wucht, den Goisern‘schen Groove haben die meisten neuen Nummern eben nicht. Die funktionieren im Club, nicht unbedingt auf dem Königsplatz.

Kein Wunder also, dass zunächst vor allem die zahlreichen ironisch-charmanten Zwischenerzählungen begeistern. „Die Reise in die Staaten habe ich nur gemacht, um Vorurteile abzubauen, stattdessen aber haben sie sich potenziert“, sagt Hubert von Goisern im schönsten Dialekt. Nur im Sumpf von Louisiana hatte er das Gefühl, „da bin i dahoam“. Wobei: Die Engstirnigkeit, die er bei vielen Amerikanern entdeckte und gegen die er sein ganzes Leben lang ankämpft, erinnerte ihn schon sehr an seinen Heimatort und Namensgeber Bad Goisern.

Für alle Mutigen, die für die Wahrheit ihre Freiheit aufs Spiel setzen, spielt er „Snowdown“, einen harten Blues, den starken Auftaktsong zum neuen Album. Und auf einmal platzt der Knoten. Das Publikum ist gebannt, steht nun erstmals auf, klatscht euphorisch mit. Vor allem, weil – strategisch klug – ein weiterer Protestsong folgt. DER Song überhaupt. Der politischste Wiesn-Hit der Geschichte. Beinahe-Titel des Films von Marcus H. Rosenmüller über den Sänger: „Brenna tuat‘s guat“, vorgetragen mit einem Ziehharmonika-Gitarren-Duell.

Was nun folgt, ist nicht nur das magische Alphorn. Vielmehr ein üppiger Zugabeteil, der das zunächst gewöhnliche Konzert doch noch zu einem großen, ja hochemotionalen Abend werden lässt. Hauptgrund dafür sind zwei alte Hits: die Liebesballade „Weit weit weg“ und das zarte „Heast as net“ (Hörst es nicht) über die Vergänglichkeit des Lebens ganz am Schluss. Nach zwei Stunden. Nein, seinen 1992er-Durchbruchhit „Koa Hiatamadl“ hat er zu Hause gelassen. Und ja, der Alpenrocker ist ruhiger, nachdenklicher geworden. Eine Wandlung, die ihm gut steht. Kantiger Kerl mit weichem Herz.

Marco Mach

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