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Hubert von Goisern

Alpenrocker in Hochform

Goisern fetzt im Circus Krone

München - Am Freitagabend hat Hubert von Goisern im Circus Krone die Stimmung zum Kochen gebracht. Dort zeigte er, dass er nicht nur Folklore kann - sondern auch richtig fetzen. Die Konzert-Kritik:

Hubert von Goisern ist der Mann, der Unmögliches möglich macht. Vor 20 Jahren brachte er junge Volksmusik-Verächter mit Akkordeonklängen zum Tanzen, später wagte sich der Hirtenrocker an asiatische und afrikanische Klänge und nun feiert er im reifen Alter von bald 60 Jahren mit kernigem Southernrock seine bislang größten Erfolge. Als Krönung wurde das explizit Kapitalismuskritische „Brenna tuats guat“ zum Wiesnhit 2012, ausgerechnet.

Beim ersten seiner drei lautstark umjubelten Konzerte im jeweils ausverkauften Münchner Circus Krone gelingt ihm dann noch etwas Unvorstellbares: Er verzichtet auf seinen größten Hit „Koa Hiatamadl“ – und niemanden schert es. Die Fans feiern die anderen, neuen Lieder umso ausdauernder. Womit wir schon bei einer anderen Sache wären, die erstaunlich ist: Junge und Alte, Trachtler und Hipster singen einträchtig mit und lassen sich selbst beim „Juchitzen“ nicht lumpen.

Wer es nicht miterlebt hat, wird es nicht glauben, aber es ist so: Hubert von Goisern ist nicht nur ein Musiker, er ist ein soziokulturelles Phänomen. Erfreulicherweise belastet er sich nicht weiter damit, sondern nimmt es stoisch hin, dass ihm so viel Bemerkenswertes gelingt, wofür andere ihre Seele verkaufen würden.

Die Aura des unverdorbenen Teufelskerls, der keine Show macht, sondern seine Musik spielt wie es ihm gefällt, ist natürlich eines seiner Erfolgsgeheimnisse. Im Vergleich zum letzten Auftritt im Circus Krone, als von Goisern das Zelt regelrecht implodieren ließ, geht es diesmal etwas entspannter zu – die Strapazen der langen Tour mögen ein Grund dafür sein. Aber selbst ein leicht erschöpfter von Goisern hat immer noch mehr Energie als alle seine Epigonen und Nachahmer zusammen. Und weil das so ist, macht sich Hubert von Goisern nun zu einer weiteren Mission Impossible auf – bei den nächsten Konzerten bringt er Hamburgern und Dresdnern etwas süddeutsche Mundart bei. Es wird ihm gelingen.

Zoran Gojic

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