Ein Hubschrauber für einen Hundling

München - Ein Hundling ist er schon, der Flatz. Weil er weiß, wie man sich als Künstler inszeniert, lädt er zum Finale seines Rooftop-Gesamtkunstwerks – und ist erst einmal nicht da.

Über den Dächern Münchens soll die als Kunstspektakel angekündigte Inszenierung starten. Doch der Aktionskünstler lässt auf sich warten.

So viel zum Plan: Ein Hubschrauber, der später als Bar dienen soll, wird mit einem anderen Hubschrauber auf das Dach des Kistlerhofs in Obersendling geflogen. Klingt durchgeknallt? Ist es auch.

Richtig heiß ist es gestern Nachmittag auf dem Dach von Haus 1 des Gewerbegebiets. Man könne sich ja noch umschauen, bis der Künstler kommt, heißt es. Umschauen bedeutet, über 3200 Quadratmeter Dachfläche zu flanieren, 360 Grad Blick auf München inklusive. Drinnen: Atelier und Wohnung des im österreichischen Dornbirn, Vorarlberg, als Sohn eines Bergbauern geborenen Flatz. Große Flächen, wenige, sehr futuristische Möbel, überall Aschenbecher. An die Wand projiziert ein Beamer Hubschrauber-Szenen aus „Apocalypse Now“, die Rotoren dröhnen dazu.

Die Dachterrasse hat Flatz wie einen Garten gestaltet, nach seinem „Grundprinzip“, wie er es nennt: Bepflanzung, Wegesystem, Möblierung. Zu dieser soll als letztes Element der Hubschrauber beitragen. Ein goldener Wohnwagen – die „Belle Etage“ – eine Almhütte, ein Cadillac und eine Seilbahngondel stehen schon im Garten. Und dann kommt auch Flatz selbst. Im orangefarbenen Overall, mit Fliegersonnenbrille über der normalen Brille und Virginia im Mundwinkel schlendert der vor allem durch seine selbstverletzenden Aktionen (Stichwort: menschliche Dartscheibe) bekannt gewordene Künstler herein. Schön, dass man Zeit habe für seine neue „Schandtat“, sagt der 61-Jährige. Ein kurzer Lehrgang zu seiner Dachterrasse, ein paar Anekdoten („Mein Vater hat immer gesagt: Künstler sind alle Asoziale“), dann erklärt Flatz seine Hubschrauber-Idee. Von der Bundeswehr in Nürnberg hat er einen ausrangierten Kampfhubschrauber abgestaubt. Er wurde entkernt, und mit dem Heckrotor als Windrad wird er sich selbst mit Strom für die Bar versorgen. In ein paar Minuten soll der Hubschrauber am Seil eines anderen in seinen Garten geflogen werden. Also, ab nach draußen.

Flatz rudert winkend mit den Armen, gerade fliegt ein dritter Hubschrauber über seine Terrasse. Drinnen sitzt sein Sohn Norton und darf das Spektakel aus der Luft beobachten. Plötzlich taucht ein weiterer Helikopter am blauen Himmel auf, steigt immer höher. Und dann ist er da, der am anderen Heli hängende Kampfhubschrauber in Camouflage. Langsam lässt ihn der österreichische Pilot auf das Dach herab und bugsiert ihn in ein Gestell. „Die Österreicher sind die besten Piloten“, sagt Flatz.

Und der Künstler? Jubelt nicht und lässt sich nicht stolz vor seinem Kunstwerk fotografieren, sondern legt selbst Hand an und montiert den Hubschrauber aufs Dach: Ein Hundling über den Dächern von München ist er schon, der Flatz. Aber ein bodenständiger.

Veronika Stangl

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