Hüne mit spitzer Zunge

Kabarettist Werner Schneyder: - Katzen, so sagt man, haben sieben Leben. Das ist schon eine ganze Menge. Werner Schneyder hat sogar deren zwölf. Jedenfalls lautet so der (Unter-)Titel der Autobiografie (in seiner Heimat sagt man wohl besser: "Memoiren"), die der gebürtige Grazer nun aus Anlass seines heutigen 70. Geburtstags sich und der Welt schenkt.

Zwölf Leben ­ das kann man als Synonym für die vielen Talente deuten, mit denen der Mann mit dem charakteristischen, inzwischen leicht anachronistisch wirkenden "Mecki"-Haarschnitt gesegnet ist, oder als Ausdruck eigener Genugtuung darüber, seit Jahrzehnten immer wieder im Gespräch zu sein. Kabarettist, Autor, Regisseur, Schauspieler, Sportreporter ­ nur einige der Berufsbezeichnungen, die auf Schneyder durchaus zutreffen. Und die zeigen, dass es möglich ist, mutig die Seiten zu wechseln und sich trotzdem treu zu bleiben.

Begonnen hatte der Hüne mit der spitzen Zunge respektive Feder nach dem Publizistikstudium als Werbetexter. Später arbeitete er in Salzburg und Linz als Dramaturg, schrieb noch später harsche Theaterkritiken und erklomm schließlich selbst die (Kleinkunst-)Bühne.

Stets stand und steht Schneyder für die literarische Form der Satire in der Tradition eines Erich Kästner und Kurt Tucholsky, kleidete Gesellschaftskritik gern in das gut sitzende Gewand von Chanson und Aphorismus. Kein Schwadroneur, sondern ein "Verseschneyder".

Einem großen Kabarettpublikum in Deutschland wurde Schneyder vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem fast zehn Jahre älteren Dieter Hildebrandt bekannt. In der Münchner Lach- und Schießgesellschaft und auf Tournee sorgte das ungleiche preußisch-österreichische Duo in den Siebziger- und Achtzigerjahren mit Programmen wie "Talk täglich", "Keine Fragen mehr" oder "Ende der Spielzeit" für ausverkaufte Häuser ­ sogar in der damaligen DDR.

Es schlossen sich Soloprogramme an, eines hieß ­ schon Mitte der Neunziger ­ "Abschiedsabend", was den so selbstbewussten "Weisen des Kabaretts" selbstredend nicht davon abhielt, auch heute noch aufzutreten, wenn ihm danach ist, beispielsweise mit der Revue "Hohn und Spott" im vergangenen Frühjahr im Münchner Volkstheater.

Auch abseits der Bühne setzte Schneyder Maßstäbe, profilierte sich über viele Jahre als Sportreporter und -moderator im ZDF. Sein Spezialgebiet war das Boxen. Dass einer wie er eine so archaische Sportart liebt ­ einer der Widersprüche, die, aus der Nähe besehen, auf geheimnisvolle Weise keine mehr sind.

Werner Schneyder: "Ich, Werner Schneyder. Meine zwölf Leben". Amalthea Verlag, Wien, 408 S.; 22,90 Euro.

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