Huldigung an den Allmächtigen

- Eine Gitarre, die Allah nicht gefällt? Die Allerwenigsten haben je verstanden, warum Cat Stevens vor 27 Jahren sein Instrument an den Nagel hängte, sich fürderhin "Yusuf Islam" nannte, konvertierte ­ und verstummte. Bob Geldof, der britische Unternehmer und Popsänger etwa reagierte richtig ungehalten, als er von der BBC zum Thema Stevens befragt wurde.

"Was kann gottgefälliger sein, als sein Talent zu entfalten", fragte Geldof mürrisch zurück.

Yusuf hatte da seine Zweifel. Es gebe Stellen im Koran, die in Bezug auf Instrumente nicht ganz eindeutig seien, meinte der Ex-Liedermacher. Gott hatte ihm 1975 bei einem Schwimmunfall das Leben gerettet, da war er sicher. Und solch große Gnade setzt man halt doch nicht so einfach aufs Spiel.

Jetzt hat der Mann, der als Steven Demetre Georgiou geboren wurde, seine Meinung geändert ­ eine Zusammenarbeit mit dem Popsänger Ronan Keating kündigte es vor knapp zwei Jahren an: Yusuf ist, nun ja, "wieder da": mit dem Album "An \-Other Cup". Alte Fans wird freuen, dass sich so viel nicht geändert hat. Der alte Cat ist allgegenwärtig.

Einen so großen Unterschied gibt es nämlich gar nicht zwischen Alt und Neu: In den 70er-Jahren war Cat Stevens Exponent einer Liedermacher-Bewegung, die den kollektiven Kater nach der berauschenden Pop-Explosion und lautstarken, aber wirkungslosen Friedensbewegung der 60er zum Ausdruck brachte. Thema war nicht mehr, wie viele Meilen hoch man sich mit Drogen schießen konnte. Nein, ein Spaziergang in der Natur, der munteren Amsel lauschen und Kinder beim Spielen beobachten, das reichte völlig.

Dargeboten zu Musik, die sich oft auf alte Folkweisen berief, etwa in dem Song "Morning Has Broken".

Im Text von "Midday", dem ersten Lied von "An \-Other Cup" werden genau diese Topoi wieder durchgespielt: Natur, spielende Kinder ­ dazu eine bezwingend simpel gehaltene Melodie mit einprägsamem Bläsersatz. Üppig, aber nicht überladen klingt das, und wenig später haben wir Yusuf sogar wie gehabt nur an den Nylonsaiten seiner Gitarre.

Thematisch dreht sich eigentlich alles nur um eines: den Lobpreis Gottes. Verteilte Cat Stevens in alten Klassikern wie "Father and Son" die Sympathien meist in Richtung des jungen Heißsporns, klingt unser Yusuf wie der gütige Vater, ein eindringlicher Prediger.

Die Melodien aber graben sich ins Ohr wie eh und je. Und eines ist sicher: Verglichen mit der relaxten Atmosphäre, in der Yusuf dem Allmächtigen huldigt, klingen die Versuche eines Xavier Naidoo zum Gotterbarmen.

Einmal nur scheint es, als wolle er einen Rückzieher machen: Im am wenigsten gelungenen Song, einer "Animals"-Coverversion, singt Yusuf "Oh Lord, please don‘t let me be misunder\-stood!" Allah wird ein Auge zudrücken.

Yusuf: "On Other Cup" (Ya Records/\x0fUniversal).

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
Rupert Grint über die Gangsterserie „Snatch“ und sein Entkommen aus der Gefangenschaft des „Harry Potter“-Universums.
„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Eine bessere Sängerbesetzung für diesen neuen „Tannhäuser“ an der Bayerischen Staatsoper lässt sich nicht finden - wohl aber ein besserer Regisseur. Die rituellen Bilder …
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
Franz Ferdinand, Feist und Judith Holofernes sind nur drei Acts, die beim diesjährigen „Summer‘s Tale“ auftreten. Unter Musik-Kennern längst bekannt, ist das Festival …
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie

Kommentare