Huldigung an die Königin von Zypern

- Europa - das Thema elektrisiert ihn förmlich: Er schwärmt von europäischen Werten, von Freiheit und Toleranz, vom Respekt der Völker untereinander, nicht zuletzt von Perikles und seiner Demokratie. Cyprien Katsaris, der rund um den Globus gefeierte Pianist, stammt aus einer griechischen Familie aus dem Norden Zyperns. Er wurde in Kamerun, damals französische Kolonie, geboren und lebt seit gut vier Jahrzehnten in Paris. Wer, wenn nicht er, der europäische Weltbürger, sollte heuer die Europamusicale eröffnen?

<P>Das Festival, diesmal ein Willkommensgruß an die zehn neuen Europastaaten, die sich musikalisch vorstellen, verteilt sich auf München, Berlin, Leipzig und Wiesbaden. Den Auftakt in München macht Cyprien Katsaris heute mit einem Klavierabend (20 Uhr) im Max-Joseph-Saal der Residenz. "Ich beginne mit einer antiken griechischen Melodie und ende mit Bachs Toccata und Fuge d-moll in einer eigenen Klaviertranskription", verrät Katsaris die Eckpfeiler seines Programms.<BR><BR>Spirituelle Botschaft</P><P>Natürlich erklingt auch Musik aus Zypern: An traditionelle Folklore Angelehntes von Faidros Kavallaris sowie zwei Sätze aus der Suite "Cypriana" des aus dem heute türkischen Norden stammenden Anis Fuleihan, eines 1976 gestorbenen Zyprioten mit arabischem Einschlag, der in den USA lebte, im Libanon und in Tunesien wirkte. Begeistert erzählt Katsaris, dass er auch den berühmten Marsch aus Schuberts "Rosamunde von Cypern" in einer Klavierfassung spielen wird. Doch zuvor huldigt er Halevys "Königin von Zypern".<BR><BR>"Richard Wagner war in Paris so begeistert von der Musik seines deutsch-jüdischen Kollegen, dass er einen Klavierauszug der Oper anfertigte. Ich spiele die Ouvertüre und glaube, das ist sogar eine deutsche Erstaufführung", lacht der charmant-eloquente Pianist, der die Krise auf dem Klassikmarkt mit der Gründung eines eigenen Platten-Labels - Piano 21 - beantwortete.<BR><BR>"Wir Künstler tragen der Gesellschaft gegenüber eine große Verantwortung", resümiert Cyprien Katsaris, der immer dabei ist, wenn das Zusammenrücken der Völker musikalisch beschworen werden soll. "Die Kunst ist der spirituellen Kraft - ob man sie nun Gott, Allah oder Buddha nennt - am nächsten. Wir können eine spirituelle Botschaft zu den Menschen bringen und zur Kommunikation und Verständigung der Völker nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt beitragen."<BR><BR>Und auch wenn das Land seiner Väter, Zypern, weiter geteilt bleibt, zeigt sich der Kosmopolit Katsaris der Türkei gegenüber offen: "Jeder der guten Willens ist und Achtung gegenüber den Menschen und Respekt gegenüber den westlich-demokratischen Werten hat, ist willkommen." Ganz sicher hat Katsaris für den Tag X einen türkischen Marsch von Mozart parat.<BR></P><P>Die Münchner Konzerte der Europamusicale starten heute. Bis zum 29. Mai gastieren Solisten und Ensembles aus den zehn neuen EU-Ländern. Informationen und Karten unter 0800/ 545 44 55.<BR></P><P><BR> </P>

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