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Die „Blechschaden“-Musiker sind „im normalen Leben“ Blechbläser bei den Münchner Philharmonikern.

Humor gehört einfach dazu

Münchens „Blechschaden“ unter Bob Ross feiert heute in der Philharmonie sein 25-jähriges Bestehen

„Nehmen Sie ruhig auch noch was, Sie sind eingeladen.“ Wie war das? Eingeladen von einem Schotten? „Ja, da können Sie sich jetzt was drauf einbilden.“ Vor allem, weil hier zum Interview keine schottische Tomatensuppe (laut Ross: „heißes Wasser in einer roten Tasse“) serviert wird, sondern ein speziell aus Übersee importierter Tee, den die Kellnerin zuvor in den höchsten Tönen angepriesen hatte. Böse Vorurteile über sparsame Schotten dürften einen Mann wie Bob Ross aber kaum stören. Ist er bei den Auftritten mit „Blechschaden“ doch stets der Erste, der Witze über seine knickerigen Landsleute reißt. Und, keine Angst, auch mit den Bewohnern seiner bayerischen Wahlheimat hat der Hornist schon genügend Skurriles erlebt, um die Konzerte seiner Kultband immer wieder mit kleinen Anekdoten aufzulockern.

Das dürfte auch heute Abend beim Faschingskonzert in der Münchner Philharmonie kaum anders werden. Denn Humor gehört bei „Blechschaden“ einfach dazu, und das inzwischen schon seit einem Vierteljahrhundert. Auf der Homepage steht zwar immer noch etwas von 20 Jahren, doch da sollte man sich nicht unbedingt drauf verlassen. „Daran sieht man halt, dass wir alle schon alte Herren sind und nicht mehr ganz so flexibel… Aber nur was Computer angeht!“ Und als Ross so zurückrechnet, landen wir tatsächlich in den Faschingstagen von 1984. Damals, als Ross & Co. ihr erstes Konzert in der Max-Emanuel-Brauerei gaben. Einfach nur aus Spaß an der Freude, wie er sagt. „Aber den Leuten hat das so gut gefallen, dass die dauernd gefragt haben, wann wir unser nächstes Konzert machen. Und so hat sich das dann ganz zufällig ergeben.“

Bob Ross legte 1984 mit dem Musik-Spaß los.

Besonders stolz ist Bob Ross natürlich darauf, dass „Blechschaden“ inzwischen sogar regelmäßig den Gasteig füllt. Haben er und seine Mitstreiter doch hier im Hauptberuf ihren festen Arbeitsplatz, als Blechbläser bei den Philharmonikern. Auf die Frage, ob der Kalender mit dem Dienst im Orchester denn nicht schon voll genug wäre, kommt lediglich ein verschmitztes Lächeln. „Eigentlich schon, aber da sitzen wir halt immer ganz hinten und keiner sieht uns. Man kann sein Leben lang in einem Orchester spielen, und niemand kennt einen. Alles dreht sich immer nur um den Dirigenten, bloß weil der vorne steht. Aber als Brass Band sind auch wir mal in der ersten Reihe.“

Über mangelnden Bekanntheitsgrad kann sich Ross heute nicht mehr beschweren. Sogar von der Polizei wurde er schon aufgehalten. Nicht weil er zu schnell unterwegs gewesen wäre, sondern weil ihn ein uniformierter Fan seinen Kollegen vorstellen wollte. Bei solch treuer Anhängerschaft versteht es sich fast von selbst, dass gern jede freie Minute für die fetzige Blasmusik geopfert wird. „Wenn die Kollegen drei Tage Skifahren gehen, spielen wir eben irgendwo ein Konzert und halten uns damit fit.“ Was den Chef-Philharmoniker Christian Thielemann angeht: „Der weiß natürlich, dass wir das machen, aber es stört ihn nicht. Als wir jetzt vom Bürgermeister die Medaille ,München leuchtet‘ bekommen haben, war er sogar mit bei der Preisverleihung und hat uns ganz herzlich gratuliert.“ So viel Rückendeckung aus der Führungsetage gab es für die zwölf Herren nicht immer. Vor allem Ross’ erster Chef, der legendäre Sergiu Celibidache, hatte die spaßige Truppe zunächst eher misstrauisch beäugt. „Als der Celi anfing, haben wir dauernd dieselben Bruckner-Sinfonien gespielt. Und da haben wir irgendwann gesagt, es muss doch auch etwas weniger Ernstes geben. Was er natürlich nicht so gerne gehört hat.“ Aber selbst die Stirnrunzeln des gestrengen Celi ließen sich irgendwann glätten. „Und als er dann endlich mal in einem Konzert war, hat sogar er uns ein bisschen gelobt.“

Der überwiegende Teil der Menschheit scheint solche Berührungsängste mit der leichten Muse zum Glück nicht zu kennen. Schon gar nicht Ross selbst, der stets nach neuen Noten für „Blechschaden“ stöbert, wo man vom Triumphmarsch aus „Aida“ bis hin zum „Pink Panther“ alle Geschmäcker bedient. „Wenn Sie so schauen, gehen ja nur wenige Leute regelmäßig in klassische Konzerte. Unser Publikum ist da viel breiter. Sogar im ,Musikantenstadel‘ waren wir schon mal.“ Und wer sich da vor Millionen von TV-Sehern als Stimmungskanone bewährt hat, der sollte auch jetzt in der Philharmonie spielend für die richtige Faschingslaune sorgen können.

Fasching mit Blechschaden

heute um 18 Uhr in der Philharmonie; Karten unter: 0180/54 81 81 81.

von Tobias Hell

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