Auf den Hund gekommen

Kochel am See - Der „Hausherr“ und Georg Baselitz: Das sind die Pläne des Franz Marc Museums in Kochel am See für das Jahr 2014.

Eine Bilanz als Einstieg in eine Vorschau? Cathrin Klingsöhr-Leroy, Direktorin des Franz Marc Museums in Kochel am See, darf das, schließlich gibt es ein Mini-Jubiläum. Fünf Jahre werkelt das sensationell aufgemöbelte Haus nun schon, und die Bilanz sieht gut aus. 13 Ausstellungen habe man gestemmt, meist bezogen auf die Sammlung. Marc war häufig der Protagonist, „im Kontext der Klassischen Moderne oder der Gegenwartskunst“. Beliebt sei das Museum bei den Besuchern, 400 000 seien es seit 2008. Beliebt sei das Schatzkästlein überm See auch bei Privatsammlern, die gerne Dauerleihgaben zur Verfügung stellen: „Damit können wir immer wieder Neues bieten“, sagte Klingsöhr-Leroy bei der Pressekonferenz im Münchner Infopoint Museen & Schlösser in Bayern (Alter Hof 1). Dort sieht man das FMM ebenfalls mit Wohlwollen, als „Leuchtturm“, wie es Georg Waldemer von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern formuliert.

 Das mit Leidenschaft und Qualitätsbewusstsein geführte Marc-Museum will diesem Status auch heuer gerecht werden. Neben drei Ausstellungen zu Franz Marc sei eine Präsentation zu Georg Baselitz „das zentrale Projekt dieses Jahr“ betont Klingsöhr-Leroy. Und dafür hat sie sich eine ausgewiesene Kennerin des Baselitz-Schaffens geholt: Carla Schulz-Hoffmann, stellvertretende Generaldirektorin der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im (Un-)Ruhestand. Die Schau ist benannt nach dem Gemälde „Georg Baselitz: Tierstücke – Nicht von dieser Welt“ (6. April bis 21. September). Jenes zeigt ein Knäuel von Ente und einer Mischung aus Lamm und Schwein, die unter sich winzige Stühle und rote Stöckelschuhe fast begraben. All das noch nicht kopfüber. Dennoch wird hier schon deutlich, dass der gebürtige Dresdner, der mittlerweile am Ammersee lebt, keine Tierbildnisse an sich malen möchte. Der Inhalt solle keinesfalls dominieren über die Malerei, erklärt Schulz-Hoffmann und zitiert Baselitz mit den Worten: „Wenn du was Blödes malen willst, malst du ein Viech.“

Deswegen zieht sich durch sein gesamtes Œuvre bis heute das Tiermotiv – ein Faktum, das natürlich wunderbar zu Franz Marc passt. Wegen dieser Fülle kann die Expertin ankündigen, „eigentlich eine Retrospektive“ zu konzipieren, zumal man „alle wichtigen Bilder bekommen“ habe; 70 Arbeiten insgesamt.

Gestartet wird in die Ausstellungssaison 2014 bereits am Sonntag mit „Franz Marc – Aufbruch zu Licht und Farbe“ (16. Februar bis 18. Mai; ausführliche Besprechung folgt). Diese Schau und „Franz Marc – Im Kreise der Avantgarde“ (25. Mai bis 5. Oktober) laufen zum Teil parallel zu Baselitz, um den Dialog zweier leidenschaftlicher Maler zu befeuern. Auf 1914, das Jahr des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs, bezogen ist schließlich „Franz Marc – Jenseits der Utopien“ (12. Oktober bis 11. Januar 2015). Marc wird verortet zwischen dem Verismus eines George Grosz und der reinen Abstraktion.

Wichtig für das Marc-Museum ist freilich nicht nur das Konzept der Wechselausstellungen, sondern auch das Offensein für jedermann. Dazu gehören das Restaurant „Blauer Reiter“ und vor allem die Angebote für Klein und Groß. Es gibt das „Offene Atelier“ genauso Schulklassen-Betreuung oder Kurse zum Beispiel an den Faschingstagen.

Simone Dattenberger

Informationen:

Franz Marc Park 8-10, Tel. 08851/ 92 48 80; täglich außer Mo. April-Oktober 10-18 Uhr, November-März 10-17 Uhr; Eintritt  8,50 Euro, Familie 19 Euro.

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