Der Hund im Kindbett

- Wer hat sie nicht als Kind verschlungen, die Geschichte von "Ali Baba und den 40 Räubern" oder "Aladins Wunderlampe"? Jetzt kann man einmal "Al laila walaila", zu Deutsch "Tausendundeine Nacht", live im "Theater viel Lärm um Nichts" (Pasinger Fabrik) erleben. Das Leitungs-Duo Andreas Seyferth (Regie) und Margrit Carls (Dramatisierung) hat sein hübsches Märchen-Projekt "Schluchzende Scheiche" genannt.

<P>Denn da weint ein Scheich, der durch das böse Intrigenspiel der beiden Schwestern seiner Gemahlin dieselbe in furchtbares Unglück stürzte und verlor. Als Hebammen haben die beiden Neidischen sich eingeschmeichelt, um der Schwester das Neugeborene zu entwenden. So liegt im Kindbett der schönen Perizade das erste Mal ein Hund, das zweite Mal eine Katze, das dritte Mal ein Stück Holz. Da konnte dann auch der Wesir die Unschuldige nicht mehr vor dem öffentlichen Käfig bewahren.</P><P>Und da diese arabischen "1001 Nacht"-Geschichten oft schon über 1000 Jahre alt sind, gefärbt durch persische, indische, ägyptische, altbabylonische, jüdische und europäische Einflüsse, folgen wir hier einem blumig gewundenen Abenteuerpfad _ auf dem drei Findelkinder am Ende doch noch mit ihrem Vater, dem nun nicht mehr schluchzenden Scheich, vereint werden.</P><P>Gaze-Zelt, Steg, zwei Blechtonnen (Ausstattung: Irina Schicketanz) genügen, um die Märchenszenerie zu evozieren, schlicht-stilisierte Choreographie und Schattenspiel vor Pastell-Licht (Jo Hübner), um die Fantasie des Zuschauers exotisch zu beflügeln.</P><P>Sechs Darsteller spielen mit Engagement, Witz und Vielseitigkeit die Hauptpersonen, aber auch Sandmann, Gärtnerbursch, Baum und Tüte. Margrit Carls als geheimnisvoller "sprechender Vogel", vor allem als ausgebuffter Junkie-Derwisch liefert einen aktualisierend schrägen Märchen-Touch. Und die aparte Neshe Demir mit ihrer klaren Präsenz könnte, ähnlich wie Scheherezade, die Zuschauer um eine weitere Nacht bezirzen.</P><P>Bis 30. November, Telefon 089/ 82 92 90 79<BR></P>

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