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Günther Maria Halmer als Herrle von Toutou und Michaela May als Fraule zoffen sich richtig.

Hunde sind auch nur Menschen

München -  Michaela May und Günther Maria Halmer sind in der Komödie im Bayerischen Hof in dem französischen Lustspiel „Toutou“ zu sehen. Lesen Sie hier die Kritik:

Achtung Hundehalter! Wäre das was für Sie? Ein heißgeliebter Vierbeiner, weil gerade entlaufen, treibt Zoé und Alex an den Rand des Nervenzusammenbruchs: „Toutou“ („Wauwau“), ein Stück von Daniel Besse und Agnès Tutenuit (Deutsch: A. und P. Bäcker), hat soeben – als Gastspiel vom Düsseldorfer Theater an der Kö – in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof das Publikum blendend unterhalten. Klar, wenn Michaela May und Günther Maria Halmer Frauchen und Herrchen sind – im Gefühls-Aufruhr dieses zu deftigem Ehekrach aufgipfelnden tierischen Verlustes.

May und Halmer, viel im Fernsehen beschäftigt, wollten nach Jahren mal wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Zur Wunscherfüllung inszenierte Mays Ehemann Bernd Schadewald dann auch so, dass beide, assistiert von Ingo Naujoks als hundehassendem Hausfreund, in Thomas Peknys weißem schickem Loft-Appartement „bella figura“ machen. Ein zerknautschter Halmer zurück vom Gassigehen im Trench, bayerischem Filzhütchen, Leine um den Hals – ohne Toutou; und May im champagnerfarbenen Négligé-Zweiteiler, von den Lockenwicklern bis zu den überdimensionalen „Doggen“-Hauspuschen das blanke Entsetzen: Alex hat nicht aufgepasst! Er hasst Hunde! Schäkerte wohl mit der Gassigeh-Nachbarin! Nah an den Tränen – „Vielleicht ist der Hund tot?“ –, knuddelt Zoé Toutous Spielgiraffe. Oder war man allzu erzieherisch streng zu dem aus rumänischer Straßenköterexistenz erretteten Tier? Hatte er die Kroketten dick? Wollte mal Fleisch? Oder gar mal seine Potenz beweisen – was Alex nur zu gut nachvollziehen kann?

Die Schuldzuweisungen schrauben sich grotesk hoch zu Seelen-Analysen des Hundes, die auch auf die Besitzer-Psyche reflektieren sollen. Was – siehe obige Bemerkung zur Hunde-Libido –, hélas, nur ziemlich blass gelingt. Und abgesehen von der diskrepanten Neigung „Hund oder nicht Hund“ fördert Toutous Verschwinden keine echten Ehe-Konflikte zutage, welche die von Zoé plötzlich gewünschte Trennung plausibel machen könnten. Ergo: Das Stück ist schwach. Das Autoren-Duo hat mit viel Fleiß eine Latte von Skurrilitäten im Mensch-Hund-Verhältnis abgearbeitet, an der sich ihrerseits die drei Darsteller abarbeiten müssen.

Sie tun das brillant: (Körper-)Sprache, Präzision, Tempo, Charisma, alles tiptop. Ingo Naujoks’ rheinisches Temperament, noch gepuscht durch merkbaren Premierendampf, lässt immerhin erahnen, wie das Stück zum Knaller werden könnte: als total überdrehter kölscher Jux. Oder als Lach-Klamotte in babbischem Saarländisch, à la TV-„Familie Heinz Becker“: Man hätte eben den gescheiten Border-Collie fragen sollen, der am Ende kess verspielt auf die Bühne wedelt.

Malve Gradinger

Bis 14. Januar; Telefon 089/ 29 1616 33.

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