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Nicht idealisieren möchte Autorin Carin Müller das Self-Publishing, aber momentan genießt sie die neue Möglichkeit und ihren Erfolg.

Neuer Trend Self-Publishing

Buch selbst veröffentlichen: So geht's 

München - Carin Müller wollte keine Kompromisse machen – und veröffentlichte ihren jüngsten Roman per Self-Publishing

Kito, ein Geist im Trikot von Bastian Schweinsteiger, lag der Autorin Carin Müller ganz besonders am Herzen. Für sie machte diese Figur ihren neuesten Roman erst richtig rund. Doch der Verlag war anderer Ansicht und legte ihr nahe, die Figur des Kito zu streichen. Weil das für sie nicht in Frage kam, wurde die Veröffentlichung von „Gefühlte Wahrheit“ für sie zum Experiment. Statt das Buch wie ihre ersten beiden, „Mopsküsse“ und „High Heels und Hundekuchen“, bei einem Verlag zu veröffentlichen, wurde die gebürtige Münchnerin „Indie-Autorin“, hergeleitet vom englischen Wort „independent“, also „unabhängig“. Das heißt, sie verlegt ihr neues Werk, in dem eine ehemalige Radiomoderatorin, ein Offizier und eben der Geist Kito einander auf einem Segelkreuzfahrtschiff treffen, komplett selbst.

„Ohne den witzigen, auf seine Art einmaligen Kito wäre mir die Geschichte zu langweilig“, erklärt Carin Müller ihr Festhalten an dieser Figur. „Frau trifft Mann, sie verlieben sich, es gibt Komplikationen – das war mir zu wenig.“ Erst Kito, FC-Bayern-Fan und Anfänger in seiner neuen Rolle als junger Geist, dringend auf der Suche nach jemandem, der ihn sieht und an ihn glaubt, damit er in der Hierarchie der Geister emporklettern kann, brächte Witz und Würze in diese Geschichte, so Müller. „Er kurbelt die Liebesgeschichte so richtig an. Und die meisten – anfangs noch so skeptischen – Leser bestätigen mir, dass Kito mein Buch erst wirklich lesenswert macht.“

Also besorgte sich Carin Müller eine professionelle Lektorin, die den Text inhaltlich und formal Korrektur las, einen Grafikdesigner fürs Titelbild – und den Rest macht sie selbst. „Ich dachte bisher, Schreiben ist anstrengend. Im Nachhinein weiß ich: Da geht die Arbeit erst richtig los.“

Als Self-Publisher, wie sich die unabhängigen Autoren neudeutsch nennen, muss man sich um alles selbst kümmern – von der Druckvorlagenerstellung, also der Gestaltung des Textes in einem Format, das sich entweder als Buch drucken oder aber als ebook-Datei veröffentlichen lässt, bis zur Werbung. „Das ist mehr Vollzeitjob als die ganze Schreiberei!“

Ob sich der Aufwand und die Kosten für externe Unterstützung wie Lektorat und Umschlaggestaltung, die man als Autor locker im vierstelligen Bereich vorschießen muss, überhaupt lohnen? „Finanziell bisher sicher nicht“, gesteht Carin Müller, um strahlend hinzuzufügen: „Aber die Freiheit, die ich dadurch hatte, genieße ich total. Niemand quatscht mir in den Inhalt hinein, ich bestimme den Titel selbst, den Umschlag. Das macht schon wirklich Spaß.“

Selbst-Veröffentlichen liegt gerade sehr im Trend. Viele „Indies“ versammeln sich bei Sozialen Netzwerken wie Facebook, tauschen sich aus, versuchen, mit etablierten Verlagen zu konkurrieren. Möglich ist das vor allem durch Anbieter wie Amazon oder „book-on-demand“, einem Berliner Druckunternehmen, das auf Bestellung auch einzelne Exemplare eines Werks herstellt.

Neu an der Situation ist, dass kein Autor, wie das früher der Fall war, auf eigene Kosten einen Stapel seiner Werke vorab drucken lassen muss, in der Hoffnung, sie irgendwann an den zahlenden Leser zu bringen. Stattdessen schließt er einen Exklusivvertrag ab. Carin Müllers Roman beispielsweise ist sowohl als Taschenbuch als auch als ebook derzeit nur über Amazon erhältlich. Dafür druckt Amazon das Buch auf Anfrage – heute bestellt, erhält es der Leser frisch produziert zwei Tage später per Post. Den Preis, den er dafür bezahlen muss, und damit auch die Gewinnspanne bestimmt der Autor selbst. „Zwei Euro verdien’ ich pro Buch – das ist etwa das Fünffache von dem, was ich beim Verlag erhalte“, verrät Müller.

Allerdings habe Amazon derzeit rund 1,5 Millionen Bücher im Angebot: „Damit ich da Lesern auffalle, muss ich eine Menge Werbung machen.“ Zwei eigene Seiten im Internet mit regelmäßigen Texten zu ihrem Buch, Gewinnspiele über Literaturseiten im Netz oder Gratisaktionen bei Amazon sollen den Verkauf ankurbeln. Hinzu kommt die klassische Werbung – Pressemitteilungen an Zeitungen, Zeitschriften oder Radiosender schicken, Rezensionsexemplare versenden oder Lesungen organisieren. „Das ist relativ mühsam und anstrengend, aber auch spannend“, so Müller. „Und jeden Tag kann ich online in meine Statistik schauen, wie viel Erfolg ich hatte. Solch einen Überblick hat man als Autor bei Verlagen nicht.“

Dennoch würde sie künftig Verträge mit Verlagen keinesfalls leichtfertig ausschlagen. „Man darf das Self-Publishing nicht idealisieren. Es ist schon schön, als Autor erst einmal einen Vorschuss vom Verlag zu kassieren, statt selbst, was Layout und Lektorat angeht, in Vorkasse zu gehen. Auch die professionelle Rundumbetreuung bei einem Verlag hat Vorteile. Wenn ich ein Angebot bekomme, das auch inhaltlich passt, bei dem ich nicht zu viele Kompromisse eingehen muss – klar, dann bin ich ganz schnell wieder bei einem Verlag“, sagt sie.

Trotzdem kann sie das Self-Publishing als Erfahrung nur empfehlen: „Man lernt zwangsläufig eine Menge dazu und hat die Freiheit, seine eigene Geschichte zu erzählen.“ Und das Gefühl, das Buch dann endlich in der Hand zu halten, sei umso umwerfender, schwärmt Carin Müller: „Ich bin extrem stolz darauf. Es ist zu hundert Prozent mein Werk – und das ist ein tolles Gefühl.“ 

Wie wird meine Geschichte zum Buch?

Self-Publishing eignet sich nicht nur für Romane. Dieses Verfahren bietet beispielsweise auch die Möglichkeit, die eigene, bewegte Lebensgeschichte für die Nachwelt festzuhalten. Dazu muss sie zuerst einmal aufgeschrieben werden. Um formal und inhaltlich einen gewissen Standard zu garantieren und neben der subjektiven Perspektive auch eine objektivere zuzulassen, ist es ratsam, das Werk einen professionellen Lektor Korrektur lesen zu lassen. Freie Lektoren finden sich im Netz beispielsweise unter dem Verband der freien Lektoren und Lektorinnen www.vfll.de.

Die Gestaltung eines Titelblattes ist Geschmackssache. Eine gelungene Bildaufteilung und Beschriftung fällt einem Grafikdesigner deutlich leichter als einem Laien. Das Layout für den Druck, also Dinge wie Seitenzahlen, Überschriften und Absätze, kann man theoretisch selbst erstellen – praktisch muss man dafür schon einigermaßen fit sein in Sachen Computer und Software. Auch hier gibt es – für den entsprechenden Preis – längst Dienstleister im Internet. Nützliche Tipps rund um das Thema Self-Publishing bieten zum Beispiel die Internetseite www.selfpublisherbibel.de oder das Unternehmen www.ebokks.de.

Die druckfertige Datei kann schließlich an einen Druckereibetrieb wie „book-on-demand“ oder Amazon gesandt werden. Die Bedingungen der einzelnen Anbieter sollte man sich zuvor schicken lassen, um sie genau zu vergleichen. Dann steht dem „eigenen Buch“ nichts mehr im Wege – spätestens bis Weihnachten sollte das doch zu schaffen sein...

Von Melanie Brandl

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