Hymnen an den Zorn

- Es ist nicht leicht zu beschreiben, was Alanis Morissette da bei ihren Auftritten treibt, aber auf jeden Fall ist es ein Erlebnis. Die 30-jährige Kanadierin stürmt auf die Bühne der Münchner Olympiahalle, als wäre sie auf der Flucht und schreit ohne Ankündigung ihre Hits mit Verve hinaus. Kein Künstler-Gewese, keine einstudierten Show-Posen - einfach nur kraftvolle und packende Lieder, die sich jeder Kategorisierung entziehen.

<P class=MsoNormal>Es ist eben Morissette-Musik, und die kann nur so vorgetragen werden, wie Morissette es tut: schnörkellos und laut. Ihre gut eingespielte Band unterstützt sie mit spürbarer Hingabe, und Morissette selbst treibt ihre Mitstreiter immer weiter voran, fast als ob sie Angst hätte, dass jede Unterbrechung gefährliche Entspannung mit sich bringen könnte.</P><P class=MsoNormal>Es ist schon bemerkenswert mit welcher Rücksichtslosigkeit sich Morissette in ihre Hymnen an den Zorn wirft und bei jedem Ton die Stimmbänder bis zur Schmerzgrenze belastet. Von soviel Energie ein wenig überrumpelt, braucht das Publikum eine Weile, um dem halsbrecherischen Tempo zu folgen, ist dann aber umso euphorischer. Es zeugt von einigem Selbstvertrauen, wenn Morissette einige der größten Hits ihrer erfolgreichsten LP "Jagged little Pill" (das meistverkaufte Album einer weiblichen Interpretin aller Zeiten) zu Beginn hinausschleudert und es dennoch schafft, die Stimmung immer weiter anzuheizen.</P><P class=MsoNormal>Dabei rumpelstilzt die junge Dame herum, wie man es selber bestenfalls nach einer Flasche Wein tun würde, wenn man sich völlig unbeobachtet weiß. Bei jedem anderen wäre das eine Peinlichkeit, aber bei Alanis Morissette passt das merkwürdigerweise. Auch wenn sich die Frau der Attitüde des Rockgeschäfts verweigert, ist sie offenkundig für die Bühne geboren. Dieser unbezähmbare Drang ins Licht, ans Mikrofon ist elektrisierend und macht ihre expressiven Texte über enttäuschte Liebe, rasende Wut und persönliche Krisen glaubhaft.</P><P class=MsoNormal>Vor der letzten Zugabe steht die Diva dann unvermittelt gelassen am Bühnenrand und singt abgeklärt "Thank you". Der Dank geht zurück für einen wunderschönen Abend mit einer außergewöhnlichen Sängerin.</P>

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