Der Hypnotiseur

- "Wir sind alle nur die, die wir sein sollen", höhnt der Polizeipsychologe Mark Ellis, wie um seine Patientin zu trösten. Caroline Anne Walker aber sollte sein Opfer sein, so hatte es der geübte Hypnotiseur aus Habgier beschlossen. Und verpasste der Drogenabhängigen zwei neue Identitäten. Nur mit einem hat der Bösewicht in Michael Cooneys kompliziertem Stück "Mind over Murder" nicht gerechnet: Dass seine scheinbare Patientin sich so sehr in sich widersprechenden Erinnerungen verstrickt, dass sie misstrauisch wird.

<P>Regisseur Mark Oliver Römisch hat dieses zunehmende Unbehagen eindrucksvoll aus seiner Schauspielerin Ulrike Dostal herausgekitzelt. Durch das Münchner "Theater . . . und so fort", wo die Produktion der Max-Planck-Bühne Premiere hatte, liefen Schauder, und das, obwohl das Stück so harmlos begann und zur Pause an sein simples Ende gelangt schien. Da war eine zarte, verstörte Person zum herablassenden Polizeipsychologen gekommen, weil sie sich des Mordes an ihrem Mann nicht entsinnen kann. Es stellte sich heraus, dass sie ihre Erinnerungen an eine schreckliche Ehe verdrängt und den Mann schließlich in Notwehr getötet hatte. </P><P>Nach der Pause aber wird's wirr: Eben diese Version wurde ihr ins Gedächtnis gepflanzt. Eigentlich hat der Psychologe die manipulierbare Frau _ quasi als Langzeit-Experiment - auf einen Millionär angesetzt, um nach dessen Ermordung abzukassieren. Die Mörderin muss allerdings aufgrund seines Gutachtens wieder freigesprochen werden.</P><P>Dostal, Matthias Bunsen als Psychologe sowie Matthias Schullan (Ehemann) und Christian Ammermüller (Hausangestellter Charly) kämpfen sich trittsicher durchs dramaturgische Dickicht. Sie lassen zu allermeist vergessen, dass die Unzahl von Versionen, wie sich der Mord nun wirklich abgespielt hat, das Stück in die Länge ziehen und zugleich unkürzbar machen, weil man sonst gar nichts mehr versteht. Harte Kost für ein ambitioniertes und versiertes Ensemble, das die Spannung bis zum Ende halten kann.</P>Noch vom 17. bis 20. März. Karten: Tel. 089/ 23 21 98 77.<BR>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ausstellung: Der Eisenbeißer im Lebendkicker
Das Jüdische Museum München setzt sich in „Never Walk Alone“ mit jüdischen Identitäten im Sport auseinander. Der Besucher findet sich dabei mitten in einem Lebendkicker …
Ausstellung: Der Eisenbeißer im Lebendkicker
„Idealzustand“: Pete Doherty in der Muffathalle
Ganz nüchtern wirkte er nicht, der Anarcho unter den Rockstars. Pete Doherty lieferte in der Münchner Muffathalle eine Show an der Grenze zum Exzess. 
„Idealzustand“: Pete Doherty in der Muffathalle
Bad Tölz feiert jetzt ein Jahr lang Thomas Mann
In Bad Tölz steht das „einzige echte Haus“ von Thomas Mann. Der Nobelpreisträger, der sehr gerne in der Kurstadt gelebt hat, wird jetzt ein Jahr lang gefeiert. Es gibt …
Bad Tölz feiert jetzt ein Jahr lang Thomas Mann
Reinhold Messner: “Südtirol ist ein Vorbild für Europa“
Reinhold Messner erklärt im Interview, warum Südtirol als Vorbild für Europa taugt. Und er spricht über sein neuestes Projekt: eine Himalaya-Hängebrücke.  
Reinhold Messner: “Südtirol ist ein Vorbild für Europa“

Kommentare