Hysterien und Heldentaten

- Antike Rachezüge, moderne Leichen, klassische Liebeleien, fantastische Halluzinationen, jugendliche Überdrehtheiten, reaktionäre Launen, verzweifelte Schändungen, dramatische Hysterien und (über-)menschliche Heldentaten. So präsentierten deutschsprachige Regie-Institute selbst ausgewählte Projekte im Rahmen des "Körber Studios Junge Regie". Aus Berlin und Essen waren die jungen Truppen angereist, aus Frankfurt, Gießen, Hildesheim, München, Hamburg, Wien und Zürich. Im Hamburger Thalia-Theater zeigte sich eine Generation künftiger Regisseure, die sich durch Vielseitigkeit in Stückauswahl und Präsentationsform auszeichnete und beachtliches Ideenreichtum mitbrachte.

<P>In Roger Vontobels Hamburger Inszenierung von David Gieselmanns absurdem Stück "Herr Kolpert" gab sich eine designte Welt aus Hightech, Video und subtiler Gewalt launisch. Ein exakt inszeniertes und rasant dargestelltes Spiel mit der menschlichen Unberechenbarkeit. Im einwöchigen Zürcher Projekt "Oneweekstand Reloaded" stand lustige 90 Minuten lang Moliè`res Kammerstück "George Dandin" im Mittelpunkt. Mitsamt der Frage, wie es Tomas Schweigen gelingen konnte, eine derart spröde Komödie innerhalb einer Woche und mit minimalen Mitteln einfallsreich zu beleben. Das Stück war durch eine Online-Abstimmung ausgewählt worden.<BR><BR>Von der Bayerischen Theaterakademie kam Ulf Goerkes bedrückende Sarah-Kane-Inszenierung von "Phädras Liebe". Er umwarb mit grotesken Puppen wie Menschen das schwarz-weiße Schachbrett der Antike - eine Atonalität, die im Zuschauerraum den Atem bannte.<BR><BR>Alle drei Projekte waren Beispiele für eine durchweg stimmige Theaterarbeit zwischen Stück, Regisseur und Schauspielern. Den Regisseuren ging es um die Möglichkeit, die eigene Inszenierung anderen jungen Theaterschaffenden zu präsentieren. Und sich der Kritik, auch der von angehenden Kulturjournalisten der Bayerischen Theaterakademie, zu stellen. Vergessen schien fast der Wettbewerb hinter dem Treffen. Der Preis: eine Inszenierung an einem renommierten Stadt- oder Staatstheater.<BR><BR>Das "Körber Studio Junge Regie" wurde 2003 konzipiert von der Körber-Stiftung (sie finanziert das Projekt mit rund 55 000 Euro) und der Universität Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Thalia Theater und dem Deutschen Bühnenverein (er steuert weitere 14 000 Euro bei). Es soll Präsentationsplattform wie Ausdrucksforum für junge Theaterprojekte sein.<BR><BR>Mit der Doppelinszenierung "Iphigenie/ Agamemnon" von der Berliner Ernst-Busch-Schule, "Phädras Liebe" und einer Inszenierung der "Elektra" von Hofmannsthal und Aischylos (Folkwang, Essen) war der Weg vorbeschrieben, einen Schwerpunkt "Griechisches Theater" zu setzen und zur Halbzeit ein wissenschaftliches Symposion mit den Vorträgen des Historikers Christian Meier wie des Regisseurs Peter Stein abzuhalten. Die europäischen Wurzeln lägen in Athen, verkündete Meier, und Stein gab zu, er fühle sich als "minimaler, beschränkter Geist, der sich den größten Monumenten des Abendlands nähert".<BR><BR>Der "Körber Studio"-Gewinner des letzten Jahres, Daniel Bösch, hat mittlerweile in Zürich und Bochum inszeniert. Die diesjährige Siegerin, Agnes Hansch, studiert im dritten Jahr Regie in Berlin.<BR></P>

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