Im Interview: James Last mit Merkur-Mitarbeiter Zoran Gojic.

James Last: „Ich beobachte, was die Jungen treiben“

München - Ein halbes Jahrhundert auf der Bühne - und trotzdem ist er immer noch nicht müde: James Last spricht im Merkur-Interview über seine Karriere, die Beatles und Puff Daddy.

James Last ist entspannt, freundlich und zu Späßen aufgelegt – es ist ziemlich einfach, ein Gespräch mit ihm zu führen. Einer, der seit einem halben Jahrhundert erfolgreich im Musikgeschäft ist, rund 80 Millionen Platten verkauft hat und weltweit große Hallen füllt, könnte sich Allüren leisten. Aber Last hat keine Allüren und beteuert, gerne Interviews zu geben: „Wir brauchen die Medien doch.“ Am 18. April, einen Tag nach seinem 84. Geburtstag, tritt James Last in der Münchner Olympiahalle auf. Wie schon die vorherige Tournee soll auch diese seine letzte sein. Angeblich.

Macht es Spaß, immer wieder eine „letzte“ Tournee anzukündigen?

Ach, das war anfangs einfach ein Wortspiel, weil das im Englischen mit „Last“ so gut funktioniert. In Wahrheit mache ich ja seit 50 Jahren „Last Tours“.

Sie brauchen das Gefühl, auf der Bühne zu stehen?

Ich will mein Leben lang Musik machen. Ob ich es immer schaffen werde, auf der Bühne zu stehen, ist eine andere Frage. Aber wenn man Musik studiert hat und weiß, wie man mit Tönen umgeht und dann live spielt – ist das eben schön, weil man selbst gespannt ist, was dabei herauskommt.

Im Rückblick wirkt Ihre Karriere wie die konsequente Umsetzung eines stringenten Konzepts.

Es gibt kein Konzept. Ich habe Sachen geschrieben, aufgenommen – und es klang eben nach James Last. Als damals etwa die Beatles auftauchten, hatte ich nur die Idee, mit meinem Orchester näher am Sound der Beatles zu sein, als an traditionellem Swing. Das war alles. Und die Betonung des Rhythmus ist eine Sache, die heute noch allgegenwärtig ist.

Wie konnte ein Jazzer, wie Sie einer waren, erkennen, dass die Beatles interessante Musik machten? Viele Ihrer Kollegen waren Mitte der Sechzigerjahre skeptisch bis abweisend.

Gute Musiker sind jene, die ihre Gefühle musikalisch ausdrücken können. Das Genre ist egal. Hören Sie sich den Geiger Gidon Kremer an – jeder Ton trifft Sie ins Herz. Und die Beatles waren eben auch gute Musiker – die guten Jazzer haben das schon gehört.

War diese Offenheit für andere Stile ein Grund für den Erfolg, den Sie international schnell hatten?

Unsere erfolgreichsten Alben überhaupt waren die Bearbeitungen klassischer Musikthemen. Aber das weiß hier keiner. Und so sind wir in die berühmte Royal Albert Hall eingeladen worden. Anfangs waren die Engländer sehr streng und haben alle Fans abgewiesen, die schon zum Soundcheck wollten. Aber nun dürfen die treuesten Fans schon um 17 Uhr rein, um uns bei den Vorbereitungen zuzuhören. Ich stelle mich selbst an die Tür und sorge dafür, dass alle reinkommen.

Mittlerweile gibt es sogar namhafte Rapper unter Ihren Fans.

Ja, Puff Daddy wollte ein Stück von mir für einen Song.

Und Sie wussten wer das ist, als er sich gemeldet hat?

Klar. Ich hab das alles im Auge, was die Jungen so treiben. Ich habe bei der letzten Tour auch etwas von Pink und Lady Gaga gespielt. Ich finde auch interessant, was die Rapper machen. Manche von denen haben wirklich etwas zu sagen. Aber das ist natürlich textlastig und instrumental schwierig zu bearbeiten. Von Hans Zimmer haben wir ein Motiv aus einem Film-Soundtrack bearbeitet.

Lady Gaga, Puff Daddy, Hans Zimmer – und Sie werden immer noch mit Tanzmusik und Unterhaltungsshows im Fernsehen assoziiert.

Hören Sie, damals haben wir live gespielt, das war schon gut. Gibt es heute nicht mehr. Manchmal haben wir einen TV-Auftritt, um eine Tournee zu bewerben, da muss ich hochklassige Musiker aus der ganzen Welt zusammentrommeln, damit die im Fernsehstudio einen Titel Playback spielen. Eigentlich beschämend.

Ich habe eine Frage, die mich umtreibt, seit ich Sie als Kind im Fernsehen beobachtet habe: Ihre Musiker spielen die Instrumente, das ist klar. Aber was genau machen Sie eigentlich?

Nichts. Jedenfalls nicht mehr. Na ja, ich versuche vielleicht Gefühle zu vermitteln, einem Musiker ein Zeichen zu geben, dass er intensiver spielen muss. Aber um ehrlich zu sein: Nach so vielen Jahren wissen die alle, was ich von denen möchte. Und wir sind eine tolle Gemeinschaft. Das hört nach dem Konzert ja nicht auf. Wir gehen gemeinsam essen und dann wird noch wild diskutiert. Die Streicher mit den Bläsern, die Rocker mit den Jazzern. Das ist schon eine tolle Truppe. Viele von denen sparen sich ihren Jahresurlaub auf, um mit mir auf Tournee zu gehen. Ich könnte auch nicht anders arbeiten. Ich will keine Musiker, die kurz vor dem Auftritt kommen, spielen und dann sofort verschwinden.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

Konzert

James Last spielt am 18. April in der Münchner Olympiahalle. Karten unter der Telefonnummer 089/ 54 81 81 81.

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