Ich, Claudius, Kaiser und Forscher

- Wer weiß schon, dass die sagenumwobene Königin Ägyptens, Kleopatra, ein Buch über Schönheitspflege geschrieben haben soll? Oder dass der römische Kaiser Augustus leidenschaftlich gern mit Würfeln spielte und dabei absichtlich verlor, um sich großzügig zeigen zu können? Oder dass Kaiser Claudius zwei Buchstaben des römischen Alphabets dazuerfand, die nach seinem Tod bald wieder aus der gängigen Rechtschreibung verschwunden sind? In seinem Büchlein gibt der Autor Holger Sonnabend Auskunft über unbekannte, aber interessante Nebentätigkeiten von berühmten Persönlichkeiten aus der Welt der Antike.

Ob Maecenas oder Homer, Sappho oder Lucullus, Catilina oder Demosthenes - sie alle werden aus einem neuen Blickwinkel beschrieben und mit ihren aus heutiger Sicht weitgehend wunderlichen Vorlieben vorgestellt. Im amüsanten Plauderton befreit Sonnabend die großen Namen von ihrer Gloriole des Heroischen und macht sie durch ihre Marotten sympathisch. Er zeigt 21 ausgewählte antike Persönlichkeiten.

Diese waren gerade auf Nebenschauplätzen Trendsetter und sind es zum Teil noch bis heute geblieben, ohne dass wir uns genau an die Urheber dieser Leistungen erinnern könnten. Wellness und Tanz, Kosmetik und Kochkunst, Kleider, Mode und Sprachforschung - das gab es schon im Altertum; nur dass der damalige Alltag gegenüber der so genannten Hochkultur wie Literatur, Musik und Theater gern in Vergessenheit geriet. Es ist das Verdienst dieses Buchs, all diese mächtigen Kaiser, großen Denker oder begnadeten Künstler von ihren hohen Sockeln heruntergezogen und wieder ins reale Alltagsleben hineingestellt zu haben.

Holger Sonnabend: "Wie Nero das Chanson erfand". Patmos Verlag, Düsseldorf, Zürich, 219 Seiten; 18 Euro.

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