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„In meiner Freizeit würde ich durchaus auch den roten Trainingsanzug aus dem Film tragen“, verriet Catherine Deneuve im Gespräch mit unserer Zeitung. In „Das Schmuckstück“ spielt sie die Fabrikanten-Gattin Suzanne, die eben nicht nur dekoratives Element sein will. Der Film startet am Donnerstag in den deutschen Kinos.

Catherine Deneuve: „Ich war nie eine Kämpferin“

München - Catherine Deneuve wirkt oft kühl und unnahbar. Doch in einer schummrigen Münchner Hotelsuite zeigte die 67-Jährige beim Interview viele völlig neue Seiten und überraschte mit ihrer offen, pfiffigen und selbstironisch Art.

Sie gilt mit ihren 67 Jahren noch immer als eine der schönsten Frauen der Welt - und wirkt dabei oft wie eine kühle, unnahbare Diva. Doch beim Gespräch in einer schummrigen Münchner Hotelsuite lernten wir eine ganz andere Catherine Deneuve kennen: freundlich, flott, offen, pfiffig, selbstironisch - kurz: schwer auf Zack.

Ihr neuer Film „Das Schmuckstück“, der am Donnerstag bei uns anläuft, ist eine Geschlechterkampf-Komödie. Sie haben mal gesagt, Männer und Frauen würden auf unterschiedliche Weise lieben…

Ja! Für Frauen ist die große Liebe das Wichtigste im Leben - dafür würden sie alles andere aufgeben. Männer können sich zwar auch verlieben, aber für sie ist das nicht die Hauptsache: Sie tendieren eher dazu, ihrer Arbeit eine Menge zu opfern. Ich kenne viele Männer, die es heute bereuen, dass sie den Menschen, die sie lieben, zu wenig Zeit gewidmet haben.

Ihre Filmfigur befreit sich schrittweise von überkommenen Geschlechterrollen. Wie sah Ihre persönliche Emanzipation aus?

Ich musste zum Glück nie irgendwelche Barrikaden einreißen, weil ich mir schon als junges Mädchen meine Freiheit nehmen durfte: Mit 16 bin ich daheim ausgezogen, um mein eigenes Leben zu führen. Meine Eltern haben mir das erlaubt, obwohl man damals erst mit 21 als erwachsen galt. Ich brauchte also gar nicht um meine Emanzipation zu kämpfen.

Sind Sie eine Kämpfernatur?

Nein, eine Kämpferin war ich nie. Ich sehe mich auch nicht als starke Frau. Sicher, ich war immer unabhängig - eine Art Feministin, wenn Sie so wollen. Aber ich habe mich dabei bloß um mein eigenes Leben gekümmert, bin nie mit erhobener Faust herumgelaufen und habe mir den Feminismus nicht auf die Fahne geschrieben.

Sie haben aber stets gegen Ihr Image als Schönheitsikone und Sexsymbol gekämpft.

Ja, weil dieses Image überhaupt nichts mit mir zu tun hat. Es ist mir oft sehr schwer gefallen, den Erwartungen zu entsprechen. Offenbar glauben die Leute, dass ich ständig in glamourösen Kleidern herumlaufe - aber warum sollte ich mich für die Gartenarbeit aufbrezeln? In meiner Freizeit würde ich durchaus auch den roten Trainingsanzug aus dem Film tragen!

Können Sie beim Gärtnern gut entspannen?

Nein, das ist eher ein Kampf: Letztlich kannst du die Natur ja nie besiegen, sondern nur ein bisschen zähmen - sie ist viel stärker als du! Deshalb ist die Gartenarbeit eine gute Übung für den Geist: Sie lehrt dich Bescheidenheit. Und sie macht mir ganz einfach Spaß.

Was tun Sie sonst am liebsten in Ihrer Freizeit?

Essen gehen mit Freunden, Filme gucken, Ausstellungen besuchen, die Enkel von der Schule abholen - ungefähr so würde mein idealer Tag aussehen. Ich bin gerne Oma: Ich liebe meine Enkel sehr und versuche, möglichst viel Zeit mit ihnen zu verbringen.

Am Ende des Films singen Sie „Das Leben ist schön“ - finden Sie das auch?

Im Prinzip ja. Aber ich jauchze jetzt nicht jeden Tag, denn das Leben ist weiß Gott nicht immer schön. Vor allem habe ich festgestellt, dass man mit zunehmendem Alter mehr und mehr Energie verliert. Das gefällt mir natürlich gar nicht, doch es hat ja auch keinen Sinn, deshalb zu jammern. Ich habe jedenfalls beschlossen, das Beste daraus zu machen - und in Würde zu altern!

Sie haben bei „Das Schmuckstück“ zum achten Mal mit Gérard Depardieu gedreht. Finden Sie, dass er in Würde gealtert ist?

Nein, das würde ich nicht sagen. Ich denke, er stürzt sich in Arbeit, um die Schicksalsschläge in seinem Privatleben zu vergessen. Er ist ein wunderbarer Freund und ein fabelhafter Schauspielpartner - aber er ist ständig auf der Flucht. Das wäre kein Leben für mich!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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