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Beruflich und privat verbandelt: Pepper Potts ( Gwyneth Paltro w) und Tony Stark alias Iron Man ( Robert Downey jr.).

Interview zum Filmstart

Robert Downey jr. über „Iron Man 3“

München - Robert Downey jr. spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über „Iron Man 3“, die Herausforderungen seines Kostüms und die Inschrift seines Grabsteins.

Für seine sensationelle Darstellung der Titelfigur in „Chaplin“ bekam er schon vor 20 Jahren seine erste Oscar-Nominierung. Doch zum Weltstar wurde Robert Downey jr. erst in jüngster Zeit – durch Blockbuster wie „Iron Man“ oder „Sherlock Holmes“. Ab 1. Mai kehrt der 48-Jährige mit „Iron Man 3“ zurück in die deutschen Kinos. Im Bayerischen Hof in München trafen wir den smarten Charismatiker mit den melancholischen Augen und dem frechen Mundwerk zum Interview.

Ist der „Iron Man“-Kampfanzug immer noch so unbequem wie vor fünf Jahren?

Es wird von Film zu Film besser. Beim ersten Mal war die Rüstung so starr und schwer, dass ich kaum den Arm heben konnte. Man sagte mir: „Pass auf, der Boden hier ist glitschig. Wenn du nach vorne umkippst, darfst du dich auf keinen Fall mit den Armen abstützen, sonst brichst du dir die Knochen.“ Wissen Sie, was es heißt, auf die Fresse zu fliegen und sich nicht abstützen zu dürfen? Der helle Wahnsinn!

Damals beklagten Sie auch, dass es stets 40 Minuten dauerte, sich in die Rüstung hineinzuquälen, und dass Sie in voller Montur nicht pinkeln konnten…

Stimmt. Aber wissen Sie was? Mittlerweile bin ich geistig gereift: In weiser Voraussicht gehe ich nun aufs Klo, bevor ich in den Kampfanzug steige. Ich bin jetzt ein verantwortungsbewusster, erwachsener Mann! (Lacht.)

Ihr Vater ist der Avantgardefilmer Robert Downey senior. Haben Sie Ihre Kino-Leidenschaft von ihm geerbt?

Ja. Ich bin ihm in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich. Er ist ein Freigeist, der sehr skurrile Filme gedreht hat. Manchmal nahm er meine Schwester und mich mit ins Kino. Doch wenn man mich hinterher fragte, wie ich den Film fand, musste ich meistens sagen: „Keine Ahnung. Mein Vater hat uns nach fünf Minuten gezwungen, wieder zu gehen.“ Er schimpfte: „So ein Schrott! Was für eine bescheuerte Kameraeinstellung! Nichts wie raus hier!“ Alles, was nicht pure Kunst war, fand er Mist.

Diese snobistische Sicht scheinen Sie aber nicht zu teilen.

Ja, denn ein angeblich wichtiger, künstlerisch wertvoller Film kann in Wahrheit ein unerträglich verschwurbelter Schwachsinn sein. Und ein auf den ersten Blick konventioneller Genrefilm entpuppt sich vielleicht als höchst unterhaltsam und intelligent – wie „Iron Man 3“, der en passant die Frage aufwirft, ob Terrorismus von den Medien gesteuert wird. Es gibt einfach gute und schlechte Filme. Punktum.

Und wie erkennen Sie die guten?

Darum geht es in „Iron Man 3“

Der Megaschurke Mandarin (Ben Kingsley) verbündet sich mit dem Gentechnik-Genie Killian (Guy Pearce) und stürzt die USA durch eine Welle von Terroranschlägen ins Chaos. Wieder einmal liegt die Rettung der Welt in den Händen von „Iron Man“ Tony Stark (Robert Downey jr.). Als dessen Domizil zerstört wird, ist der von Panikattacken geschüttelte und seines Labors beraubte Erfinder ganz auf seinen brillanten Verstand angewiesen. Die Filmkritik lesen Sie am Donnerstag.

Ich habe in so vielen miserablen Filmen mitgespielt, dass ich geradezu ein Experte für Kino-Müll geworden bin: Ich weiß, wie man’s nicht machen sollte. Und ich habe gelernt, „Nein!“ zu sagen, denn inzwischen weiß ich auch genau, was ich will. Also weigere ich mich, schlechte Dialogsätze zu sprechen. Und wenn ein Regisseur keinen blassen Schimmer hat, ignoriere ich seine dämlichen Regieanweisungen. Nicht aus Lust am Rebellieren, sondern weil ich einen guten Bullshit-Detektor habe.

Sehen Sie es als Ironie des Schicksals, dass Ihre darstellerischen Höhenflüge allesamt Flops waren und Sie nun ausgerechnet als Comic-Held Mega-Erfolge feiern?

Ja, tatsächlich hielt ich mich jahrelang für einen brillanten, missverstandenen Künstler. (Lacht.) Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass die „Iron Man“-Filme, die nur einen winzigen Teil meines Lebens ausmachen, vielen Menschen offenbar eine Menge bedeuten. Wer weiß, vielleicht steht einmal auf meinem Grabstein: „Er hat eine Comicfigur gespielt. Wir mochten ihn. Meistens.“

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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