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„Mehr wäre ein Traum“: Der 33-jährige New Yorker James Gaffigan kehrt ans Pult der Münchner Philharmoniker zurück. foto: fkn

Interview zum Konzert 

Gaffigan: "Ich fühle mich nicht als Kandidat"

München - Das Schaulaufen für die Chefposition geht weiter: James Gaffigan gastiert bei den Münchner Philharmonikern.

James Gaffigan gehört zu den Wiederkehrern. „Jeden Monat woanders ein Debüt, das ist nicht meine Sache. Ich bevorzuge längere Partnerschaften“, gesteht der 33-jährige New Yorker, der nun zum dritten Mal ans Pult der Münchner Philharmoniker tritt. Diesmal wagt er sich mit dem Orchester erstmals an Bruckner. „Natürlich nicht die Achte, mit der die Philharmoniker und Celibidache Geschichte geschrieben haben und die auch ein Leibstück von Thielemann war. Ich dirigiere die Sechste, die das Orchester schon lange nicht mehr gespielt hat.“

Kombiniert wird die Symphonie mit Alban Bergs Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“. Sergey Khachatryan übernimmt zur Freude des jungen Dirigenten den Solopart. „Ich schätze Sergey sehr und glaube, dass er gerade in diesem Stück all seine Farben zur Geltung bringen und das Publikum auf eine emotionale Reise mitnehmen kann.“

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Zum ersten Mal gastierte James Gaffigan, der 2004 nach dem Gewinn des Georg-Solti-Wettbewerbs seine internationale Karriere startete, vor drei Jahren als Einspringer bei den Philharmonikern. In der Saison 2010/11 kehrte er zurück und dirigierte damals ein Werk von Friedrich Cerha mit Schlagzeug-Star Martin Grubinger. Der ist auch im kommenden Sommer beim Open Air auf dem Odeonsplatz (7. Juli) wieder sein Partner. Dann spielen die Philharmoniker unter Gaffigans Leitung Gershwins „Kubanische Tänze“, Avner Dormans „Frozen in time“ (mit Grubinger) und Dvoraks Neunte. Auch auf diesen Ausflug ins Freie freut sich der Amerikaner, der erste Open-Air-Erfahrungen natürlich in den USA, in San Francisco und Los Angeles, sammelte. „Solche Events sind wichtig für das Publikum.“

Ganz unweigerlich gehört James Gaffigan als Wiederkehrer zu den möglichen Kandidaten für den Chefposten der Münchner Philharmoniker. „Ich fühle mich nicht als Kandidat“, meint er zwar, gibt aber zu, dass er sehr gerne mit dem Ensemble arbeitet, „weil sie Feuer und Leidenschaft haben und weil die Chemie zwischen uns stimmt. Mehr wäre ein Traum“, sagt er lächelnd. Und verrät dann doch, dass seine Frau sehr gerne in Luzern lebt, sich aber München durchaus vorstellen könnte…

So wirkt Musik auf unseren Körper

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In Luzern, wo die kleine Familie mit 16 Monate alter Tochter Sofia gerade ihr neues Heim bezieht, kümmert sich James Gaffigan seit 2010 um das Symphonieorchester. Kein leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass das Lucerne Festival sein eigenes, von Claudio Abbado geleitetes Orchester hat und die Elite der Welt im Sommer am See vorbeischaut. Aber Gaffigan strahlt: „Wir spielen in dem gleichen, wunderbaren Saal des KKH, und das Orchester hat ein großes Potenzial. Ich denke oft, es ist wie damals bei Simon Rattle in Birmingham, als das Orchester mit dem neuen Saal und ihm einen so großen Aufschwung nahm.“

Sieben Abo-Programme betreut Gaffigan in Luzern, jährlich dirigiert er überdies noch eine Oper. Während er in der Schweiz das klassisch-romantische Repertoire (von Haydn bis Schumann), dazu viel Französisches und immer wieder Modernes pflegt, reist er für die „großen Brocken“ à la Berlioz, Liszt, Strawinsky in die Niederlande. Beim Niederländischen Rundfunkorchester ist Gaffigan ständiger Gast und dehnt so – strategisch klug – sein eh schon beachtliches Repertoire in alle Richtungen aus. Auch das Kölner Gürzenich-Orchester hat sich den jungen Mann an Land gezogen und eigens für ihn eine neue Stelle als Erster Gastdirigent eingerichtet.

Die Liebe zur Oper pflegt der Amerikaner nach Rossinis „Cenerentola“ und Mozarts „Così fan tutte“ 2013 wieder mit einer Übernahme des „Falstaff“ beim Glyndebourne Festival. „Dort gibt es eine wunderbar intensive Probenzeit“, schwärmt er. Er kennt schließlich auch das Gegenteil – Gastspiele an der Wiener Staatsoper. „Grüß Gott, viel Spaß, badamdadamdam – und schon geht die ‚Bohème‘ los.“

Bei der Weihnachstfeier der Philharmoniker im Hofbräuhaus hat der Gast gerade mit den Musikern nicht nur das Bier genossen, sondern auch alte Videos mit Celibidache. Er hat viele davon schon früher gesehen und staunt nun, dass er vom Pult aus etliche Gesichter wiedererkennt – nur eben ein bisschen älter geworden…

Konzerte

an diesem Sonntag (11 Uhr) sowie Montag und Dienstag (20 Uhr) im Gasteig;

Telefon 089/ 54 81 81 81.

Von Gabriele Luster

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