Trauer um Schlager-Star und Ex-Dschungelcamper Gunter Gabriel

Trauer um Schlager-Star und Ex-Dschungelcamper Gunter Gabriel
„Es gibt kaum ein variableres Instrument“: Lizzy Aumeier spielt leidenschaftlich gerne Kontrabass, am liebsten solo. Foto: Agentur

Interview mit Lizzy Aumeier

„Ich habe viele Jahre gehungert“

München - Im Merkur-Interview spricht Lizzy Aumeier über ihre Liebe zum Kontrabass, Kilos, Pornos und ihre oberpfälzische Heimat.

Programmtitel wie „Boxenluder“, „Männerträume“ oder „Sex und Macht“ lassen schon darauf schließen, dass hier keine mageren Pointen serviert werden. Lizzy Aumeier ist das Vollweib der bayerischen Kabarettszene, die 48-Jährige aus Neumarkt in der Oberpfalz macht sich ebenso hemmungslos wie selbstironisch über alle (Tabu-)Themen des menschlichen Zusammenlebens her, stets begleitet von ihrem Kontrabass, den sie virtuos beherrscht. Am Montag erhält Aumeier dafür den Bayerischen Kabarettpreis.

Sie bekommen den Preis in der Sparte Musikkabarett – doch bei Ihren Fernsehauftritten bekommt man Ihr Instrument nur selten zu sehen.

Musikkabarett gilt im Fernsehen leider als Wegschalter, deswegen trete ich da in der Regel ohne Kontrabass auf. Aber vielleicht ändert sich das ja jetzt.

Wie sind Sie auf den Kontrabass gekommen?

Das war Liebe auf den ersten Blick. Es gibt ja kaum ein variableres Instrument. Man kann alles machen, Hip Hop, Jazz, Volksmusik, Klassik, man kann es solo spielen, man kann begleiten, das ist einfach ganz toll!

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Ursprünglich wollten Sie ja Orchestermusikerin werden. Warum ist daraus nichts geworden?

Mir hat die Atmosphäre in den großen Ensembles nicht behagt. Das ist kein Miteinander, sondern ein Gegeneinander der verschiedenen Gruppen, total kindisch. Und der Dirigent hat sowieso immer Recht.

So haben Sie Solokarriere gemacht.

Ja. Und sehr geholfen hat mir dabei Michael Well von der Biermösl Blosn. Der hat mich ermutigt, der hat dafür gesorgt, dass ich auch in München mal auftreten darf. Das war nicht selbstverständlich.

Jetzt sind Sie ein Star der Kabarettszene, und Ottfried Fischer darf Sie in „Ottis Schlachthof“ mit den Worten ankündigen: „Ihr Körper ist ihr Kapital, und wie Sie gleich sehen werden, ist sie sehr wohlhabend.“

Dabei war ich jahrelang magersüchtig. Dann kamen Depressionen, und dann wurde ich unglaublich dick. Das hat man erst auf die Psyche geschoben, bis endlich irgendwann ein Arzt festgestellt hat, dass meine Schilddrüse nicht richtig arbeitet. Da waren die Pfunde aber schon da – und ich musste lernen, mich so zu akzeptieren. Dass ich viele Frauen mit diesem Thema anspreche, ist mir erst im Lauf der Zeit klar geworden.

Sie wollen ganz bewusst Mut machen?

Ja, und mittlerweile macht mir das total viel Spaß. Mir schreiben Frauen: „Liebe Frau Aumeier, ich habe ein enges Kleid, Größe 46, und am Wochenende ziehe ich es endlich wieder an!“ Das finde ich schön. Ich habe auch viele Jahre gehungert, weil ich dachte, nur dann werde ich geliebt, und viele Frauen tun ihr Leben lang nichts anderes, als sich zu quälen für Größe 36.

Was treibt Sie noch auf die Bühne, außer dem Thema Frau und Figur?

Ich komme aus schwierigen Familienverhältnissen, ich hab’ schon viel Schlimmes erlebt. Irgendwann hab’ ich beschlossen, diesem Scheißunglück und dieser Scheißkrankheit ins Gesicht zu steigen und zu sagen: Hey, Ihr könnt mich mal! Ich glaube, dass Humor hilft, in jeder Situation. Ich hab’ mir vor ein paar Jahren bei einem Autounfall mein Knie zertrümmert. Ich hab’ das gleich zum Thema gemacht – und festgestellt, dass Leute, die im Rollstuhl sitzen oder an Krücken gehen, es klasse finden, dass es endlich mal um so etwas geht.

Würden Sie Ihre Kunst als im weitesten Sinne politisch bezeichnen?

Sagen wir so – sie ist nicht unpolitisch. Ich rede über das, was mir auffällt. Ich hab’ mich beispielsweise mit Pornos beschäftigt, und ich finde, es ist eine Verdummung der Gesellschaft, wie die Frauen da dargestellt werden, als ewig brünftige Wesen, die Tag und Nacht nur gepoppt werden wollen. Natürlich kommt das manchmal ein bisserl derb rüber, aber ich finde dieses Frauenbild einfach schrecklich.

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Sie stammen aus der Oberpfalz – ist das auch ein Trauma, das Sie auf der Bühne verarbeiten?

Naa, ich bin eine bekennende Oberpfälzerin! Wir werden ja immer als die Deppen von Bayern hingestellt, aber die Menschen sind sehr freundlich, und die Landschaft ist wunderschön. Problematisch war früher nur, wenn man nichts mit der CSU zu tun haben wollte. Mein Vater war in der SPD, da waren wir die Außenseiter. Da ist es schon vorgekommen, dass einer angerufen und ins Telefon gebrüllt hat: „Du rote Sau!“ Da hab’ ich dann immer gesagt: Papa, da ruft einer für Dich an.

Und Sprüche wie „Bei welchem Schíld darf man auf der Autobahn wenden? Beim Schild ,Willkommen in der Oberpfalz!‘“ nehmen Ihnen Ihre Landsleute nicht übel?

Nein. Nur die, die die Ironie nicht verstehen.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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