"Ich bin dem Haus verpflichtet"

- Christiane Lange, die als Kuratorin schon seit 2000 mit der Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung vertraut ist, wurde, wie berichtet, am Donnerstagabend bei der Eröffnung der Carl-Larsson-Ausstellung im Beisein von Kronprinzessin Victoria von Schweden als neue Chefin und damit als Nachfolgerin von Johann Georg Prinz von Hohenzollern ausgerufen. Im März kommenden Jahres übernimmt Lange die Führung.

Die promovierte Kunsthistorikerin wurde 1964 in Mainz geboren, studierte in Berlin und München. Nach ihrer Tätigkeit für die Münchner Galerie Klewan kam sie zur Kunsthalle und betreute Ausstellungen von "Der kühle Blick - Realismus der 20er-Jahre" bis "Mythos und Naturgewalt Wasser" heuer im Sommer.

Die HypoVereinsbank-Gruppe fusioniert gerade. Entstehen daraus Probleme für die Kunsthalle?

Lange: Das tangiert die Kunsthalle nicht. Auch Unicredito hat klar signalisiert, dass die Institution weitergeführt und gepflegt werden soll - sonst hätte man ja auch keinen Nachfolger bestellt.

Welche Schwerpunkte werden Sie in Ihrem Ausstellungsprogramm setzen?

Lange: Ich habe viel darüber nachgedacht. Das Wichtigste ist, dass man die Arbeit gut macht. Es geht nicht darum, dass ich mich profiliere, indem ich mich ganz von meinem Vorgänger absetze. Ich bin vor allem dem Haus verpflichtet: Die Hypo-Kunsthalle ist es, die ein klares Profil braucht. Es mag sein, dass sich die Frequenz der Präsentationen von Kunst nach 1945 etwas erhöht; die Kunsthalle "umstricken" will ich aber nicht. Meine Berufung bedeutet doch, dass Kontinuität gewünscht wird.

Und wie sehen Sie das Profil der Kunsthalle?

Lange: Sie gestaltet auf hohem Niveau Ausstellungen für ein breites Publikum. Ist ein Ort für schöne Inszenierungen. Die Larsson-Schau jetzt ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man eine Erfolgsausstellung macht. Wir sind offen für alle Sparten - auch für außereuropäische Kulturen.

Auguste Rodin und seine Paare

Ihre erste Exposition als Chefin?

Lange: "Zurück zur Figur" im nächsten Jahr beschäftigt sich mit aktueller Kunst. Wir haben also keine Angst vor junger Kunst - und laufen dem Publikum nicht hinterher, wie manche behaupten. Gute Besucherzahlen bedeuten: gute Arbeit. Das ist wie bei den Hollywoodfilmen; selbst wenn ein Low-Budget-Film oft ganz toll ist.

 "Zurück zur Figur" soll zeigen, dass Figuration mehr ist als die jetzt so gehypte Leipziger Schule; dass sie ein internationales Phänomen ist und verwurzelt in der Tradition der Moderne. Das ist natürlich ein riesiges Feld: Es geht um das Menschenbild im 21. Jahrhundert - alle Arbeiten werden aus den vergangenen fünf Jahren stammen. Es stellt sich zugleich die Frage: Warum ist Figuration jetzt so präsent? Entspringt das der politischen Unsicherheit - wie das "Retour à` l'ordre" nach '45. Diese große Gruppenausstellung wird sich übrigens in die Münchner Galerien verzweigen.

Gibt es einen speziellen Wunsch, den Sie sich gern erfüllen möchten?

Lange: Ich würde wahnsinnig gerne eine Schau über Jean Dubuffet entwickeln, denn er kommt in München nicht vor, ist jedoch für die zeitgenössische Kunstgeschichte wichtig. Ebenfalls läge mir eine Präsentation des Werks von Louise Bourgeois sehr am Herzen.

Wenn Sie aufrücken, muss Ihre alte Position vergeben werden.

Lange: Ich muss einen neuen Kurator suchen. Es ist eine Herausforderung, jemanden zu finden, zu dem man ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann und der Erfahrung mitbringt.

An den älteren Museumsherren oder Ausstellungsmachern - ihren Vorgängern Ade und Hohenzollern - schätzte man die guten Beziehungen zu Museen. Die sind für eine Kunsthalle ohne eigene Sammlung ausgesprochen fruchtbar.

Lange: Ich habe in den letzten sechs Jahren Verbindungen knüpfen können. Außerdem steht mir Johann Georg Prinz von Hohenzollern weiter zur Seite; er ist vital und aktiv. Und öffnet mir Türen: Das gibt eine große Sicherheit. Ansonsten habe ich schon ein Netz, wenn auch ein grobes. Ich arbeite daran.

Wie schauen die weiteren Pläne aus?

Lange: Mit der Universität Bonn konzipieren wir "Auguste Rodin - Paare". Man sieht ihn immer als Erotiker, was verkehrt ist. Es geht um die Auseinandersetzung Künstler-Kunst. Das Thema "Paar" ist bei Rodin noch nie untersucht worden. Das wird eine publikumswirksame Ausstellung mit einem wissenschaftlichen Neuansatz.

Und im Bereich der anderen "Sparten"?

Lange: Wir denken an eine Skythen-Schau. Eventuell ist eine Kooperation mit einem anderen Institut möglich.

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