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„Ich will BP zerschlagen“: Konzeptkünstler Ruppe Koselleck erwarb vor neun Jahren seine ersten Aktien. foto: dpa

„Ich kaufe BP“

Münster - Ruppe Kosselleck malt Bilder aus Ölpest-Schmutz und finanziert damit den Kauf von BP-Aktien. So will er den Konzern zerschlagen.

Ruppe Koselleck hat ein Ziel. Er will den Mineralölkonzern BP übernehmen. Deswegen kauft er seit neun Jahren Aktien. Doch Koselleck ist kein Manager oder Finanzhai, sondern Maler. Der 43-Jährige benutzt den Schmutz der Ölpest, um Bilder zu malen. Die Hälfte der Erlöse steckt er in BP-Aktien. Koselleck sagt: „Ich kaufe den Konzern über den Müll, den er verursacht.“ Was er dann damit vorhat? „Ich will BP zerschlagen.“ Das kleine Atelier in Münster ist von Spuren des Mineralölkonzerns übersät. An der Decke hängt ein zerbeulter, verrosteter Zwanzig-Liter-Kanister, in dem früher Motoröl von BP war. BP, das stand früher einmal für British Petroleum, bis der Konzern daraus vor Jahren „Beyond Petroleum“ („Jenseits von Erdöl“) machte.

Das geschah ungefähr zu der Zeit, als Ruppe Koselleck nahe dem niederländischen Zandvoort Urlaub machte und seine Tochter am Strand in Öl trat. „Ich musste es ihr mit dem Taschenmesser vom Fuß kratzen. Da habe ich beschlossen, etwas gegen Ölkonzerne zu tun. BP ist zu der Ehre gekommen, weil sie dort die geschickteste Öffentlichkeitsarbeit machten: Lauter Prospekte mit klaren Meeren und sauberen Stränden.“

Koselleck ist kein Träumer. Er ist ein bodenständiger, freundlicher Mann, der eine Familie mit zwei Kindern zu ernähren hat. Im Jahre 2001 kaufte Koselleck seine ersten sechs BP-Aktien. Inzwischen hat er 1045 Anteile erworben. „Viele meiner Käufer sind keine klassischen Kunstsammler. Die sagen einfach: Ich will, dass Du den Konzern kaufst.“

Zugegebenermaßen hat der Münsteraner erst eine kleine Etappe erreicht. Es gibt 18,8 Milliarden BP-Aktien. Rund 9,5 Milliarden braucht er für die Mehrheit. „Ein Statistiker hat mal für mich ausgerechnet, dass ich bei steigendem Erfolg der Aktion 268 Jahre brauche.“ Bisher findet der Künstler leider noch genügend Material für seine Bilder. Gerade war er am Golf von Mexiko, ging die Strände entlang. „Die Spuren der Katastrophe finden sich überall. Die Austernfischer haben ihre Reusen liegen lassen, da wächst Gras durch.“ An unzugänglichen Orten, wo die Pflüge den Sand nicht säubern können, seien Ölklumpen zu finden. Offiziell hat sich BP nie bei Koselleck gemeldet. „Aber bei meiner ersten Ausstellung waren zufällig BP-Controller zu Gast, die auf der Durchreise waren, um Tankstellen zu überprüfen. Das war schon bizarr. Denen habe ich mich als ihr zukünftiger Chef vorgestellt. Die fanden das gar nicht so gut.“ christof bock

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