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Der designierte neue Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev.

Valery Gergiev nimmt Stellung

„Ich kenne dieses Gesetz nicht“

München - Bei Menschenrechtlern und Homosexuellen-Initiativen ist er in die Kritik geraten: Am Dienstag reagierte Dirigent Valeri Gergiew, blieb dabei aber vage und widersprach sich.

Der Druck auf ihn und die Stadt München wurde wohl zu stark. In einer eilends einberufenen Pressekonferenz hat gestern Valery Gergiev auf die gegen ihn erhobene Kritik reagiert. Der künftige Chefdirigent der Münchner Philharmoniker vermied es dabei weitgehend, zu klare Aussagen zu treffen. Teilweise widersprach er sich auch.

Gergiev, der heute, morgen und übermorgen sein künftiges Orchester im Gasteig dirigiert, sagte, er lehne Diskriminierung ab. Er arbeite oft und schon sehr lange mit Menschen verschiedener Herkunft, Religion und Hautfarbe. In seiner künstlerischen Tätigkeit sei kein Raum für Diskriminierung. „Ich hasse Diskriminierung.“ Der Vorwurf, er habe Homosexualität und Pädophilie gleichgesetzt, sei „lächerlich“. Wie berichtet, wird der russische Dirigent in einer niederländischen Zeitung mit der Aussage zitiert, in Russland werde alles Erdenkliche getan, um Kinder vor Pädophilie zu schützen. „Dieses Gesetz bezieht sich nicht auf Homosexualität, es zielt auf Pädophilie“, so Gergievs Wortlaut.

Angesprochen auf eine Klarstellung, begann sich der Star zu verzetteln. Er kenne und verstehe dieses Gesetz nicht, meinte er. Um dann doch zu erklären: „Im Gesetz steht nichts von Homosexualität.“ Damit hat Gergiev im Grunde Recht, im international angefeindeten russischen Regelwerk ist die Rede von „nicht-traditionellen Lebensformen“ – womit allerdings kaum verklausuliert auf Schwule und Lesben gezielt wird. Konfrontiert mit der Aussage in der niederländischen Zeitung, entgegnete Gergiev zunächst: „Ich weiß nicht, von was Sie sprechen.“ Als Journalisten nachhakten, sagte er, er sei gebeten worden zu erklären, warum es in Russland zu solchen Gesetzen komme. Er habe dann darauf hingewiesen, dass es in seiner Heimat eben eine große Angst vor Pädophilie gebe. Deshalb sei wahrscheinlich dieses Gesetz verabschiedet worden.

Dieses verbiete unter anderem, vor Kindern das Thema Homosexualität anzuschneiden. „Mit Kindern sollte man eher über Puschkin und Mozart sprechen“, sagte Gergiev gestern. Um nochmals festzustellen: Er habe das Gesetz niemals unterstützt. Die versammelten Journalisten wies der 60-Jährige darauf hin, dass in seinem Land mehr demonstriert werde, als in Deutschland bekannt sei. „Ich sehe allerdings nicht viel von den Demonstrationen.“ Dazu habe er zu viel zu tun, er müsse von seinem Haus gleich ins Theater und zu anderen Terminen. Auf die Frage, ob er keinen Fernseher habe, entgegnete Gergiev, für so etwas habe er kaum Zeit.

Ausweichend äußerte sich der Dirigent auch zur Frage, ob ein Künstler gegen Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierung in seinem Land die Stimme erheben müsse. In seine Verantwortung falle das St. Petersburger Mariinsky-Theater, stellte Gergiev klar. Sollte es dort zu solchen Vorfällen kommen, werde er selbstverständlich dagegen vorgehen – um dann auf einen Nebenweg abzubiegen: Er habe in Japan nach der Flutkatastrophe gastiert, um Geld für die Opfer zu sammeln. Das verstehe er auch unter Verantwortung.

Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers und Paul Müller, Intendant der Philharmoniker, war anzumerken, dass die Pressekonferenz nicht den gewünschten Verlauf nahm. Küppers kündigte an, er werde dem Stadtrat heute darüber berichten. Er nehme aus diesen 70 Minuten mit, dass sich Gergiev von Diskriminierung distanziere und Homosexualität und Pädophilie nicht gleichsetze. Müller sagte, derzeit werde „Emotionalität ins Orchester hineingetragen“. Das sei nicht einfach für die Münchner Philharmoniker. Im Übrigen reise er viel herum und habe feststellen können, dass es manchmal auf demselben Kontinent verschiedene Wertesysteme gebe. Dies müsse man vielleicht erst noch lernen. Heute Abend wird ab 18.30 Uhr vor dem Gasteig gegen Gergiev demonstriert.

Von Markus Thiel

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