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Jussi Adler-Olsen

Interview mit Jussi Adler-Olsen

„Ich lese seit zwölf Jahren keine Krimis mehr“

München - Der Däne Jussi Adler-Olsen (63) hat gerade seinen fünften „Carl Mørck“-Fall „Erwartung – Der Marco-Effekt“ in Deutschland herausgebracht. In 124 Ländern gibt es seine Bücher, in 40 Sprachen wurden sie übersetzt. Er reist laut eigener Aussage 130 Tage im Jahr.

Sie widmen das Buch Ihrer Schwiegermutter…

(Lacht.) Sie ist eine der wichtigsten Personen in meinem Leben, und ich habe sie jetzt 43 Jahre an meiner Seite. Sie ist nun 84 Jahre alt, und sie führt sich auf wie eine 17-Jährige. Es wurde Zeit, dass ich ihr mitteile, wie sehr ich sie respektiere.

Wie hat sie reagiert?

Sie hat geweint.

Im fünften Fall sprechen Sie wieder Reizthemen an. Warum?

Ich wollte aufzeigen, wie die Dänen mit der Bankenkrise und den Problemen bei der Korruption in Bezug auf arme Länder umgehen. Dänemark ist die Nummer eins in der Liste der am wenigsten korrupten Länder, und Kamerun ist das Gegenteil. Es ist spannend, diese Dinge zu kombinieren.

Waren Sie zu Recherchezwecken in Kamerun?

Ja. Louis Fon, den ich auf Seite sieben töte, war mein bester Freund dort. Und Mbomo, den ich auch töte, war mein Ranger.

Die Reihe ist auf zehn Bücher angelegt. Wird dieses Schreiben auf Dauer nicht langweilig?

Mein Vater sagte zu mir: „Kind, du hast so viele Talente, nutze sie alle! Nimm eines nach dem anderen und gestalte das Leben so, dass es für dich gut ist.“ Es war so großzügig von ihm, mir diese Freiheit zu gewähren. Jedes Buch ist also ein neues Kapitel in meinem Leben. Finden Sie die Bücher langweilig?

Nein. Aber es sind ja immer die gleichen Protagonisten…

Ja, aber das ist eher schwer. Ich muss immer das Interesse halten, meine Frau hat mittlerweile eine Casting- und eine Locationliste. Außerdem fühle ich den Druck, ich muss ja ständig Neues produzieren. Das aber tut mir gut. Ich bin nämlich sehr faul, wie Carl Mørck.

Was lesen Sie privat?

Ich lese seit zwölf Jahren keine Krimis mehr. Ich habe Angst, dass mich das beeinflusst. Ein Kritiker schrieb über den „Marco-Effekt“, es sei wie „Oliver Twist“! Er hat Recht! Aber ich dachte nicht daran, als ich den Fall geschrieben habe.

Stört es Sie, wenn Sie in die Ecke der skandinavischen Krimiautoren gesteckt werden?

Ich fühle mich so einzigartig, das ist mir egal! (Lacht.) Wir haben alle die gleichen Helden, Maj Sjöwall und Per Wahlöö. Wir haben von ihnen viel gelernt, aber ich fühle mich nicht wie die skandinavischen Autoren. Ich komme aus Dänemark. Wir sind viel lustiger!

Das Gespräch führte Angelika Mayr.

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