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Peter Kraus ist am 19. und 20. Oktober im Circus Krone zu erleben.

„Ich mache keine Rentner-Revue“

München - Rock’n’Roller Peter Kraus über seinen dauerhaften Erfolg, die Fünfzigerjahre und sein neues Programm.

Peter Kraus (70) ist seit über 50 Jahren im Showgeschäft und hatte schon im Teenageralter als „Deutscher Elvis“ Hits. Später hatte er auch Erfolg als Schauspieler, Regisseur und Moderator. Am 19. und 20. Oktober präsentiert er im Münchner Circus Krone sein neues Programm.

Auch mit 70 toben Sie noch sehr agil über die Bühne und zeigen den Hüftschwung. Wie bekommt man das hin?

Ich lasse mir regelmäßig Vitaminspritzen geben, das ist das Geheimnis...

So einfach ist das also?

Nein, war nur Spaß. Es ist für meine Show einfach erforderlich, dass ich fit bin. Die Leute erwarten das auch von mir. Ich bin nicht der Typ, der den ganzen Abend auf dem Barhocker sitzt und Balladen singt.

Sie sind seit Jahrzehnten erfolgreich – wie hält man über so einen langen Zeitraum das Interesse des Publikums wach?

Manchmal gar nicht. Es gab Zeiten, in denen ich nicht gesungen habe. Das war auch gut so, weil ich heute sonst nicht die Kraft hätte, das zu tun, was ich tue. Außerdem habe ich immer ein bisschen Abwechslung reingebracht. Angefangen habe ich ja nicht als Rock’n’Roller, sondern mit Big-Band-Begleitung. Deswegen gibt es diesmal nach der Pause Big-Band-Sound, was viele überraschen wird. Man muss vielseitig bleiben, sonst erstarrt man.

Wie sehr unterscheidet sich das Geschäft heute von dem der 50er?

Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Heute tritt man in einer Fernsehsendung auf und hat Millionen Zuschauer, die dann – wenn es gut läuft – die Platten kaufen. Damals musste man sich seine Fans regelrecht ertingeln. Wir haben in München und Umgebung angefangen, bis wir schließlich in Flensburg angekommen waren. Das hat viel Spaß gemacht, weil wir jung waren und einfach nur Musik machen wollten. Karriere war ein abstraktes Wort. Manchmal haben wir in Kneipen erst ein paar Tische zu einer Bühne zusammenschieben müssen. Einmal haben wir mit der Big Band im Kino gespielt. Die Band musste sich in die erste Reihe setzen, und ich habe auf der Mini-Bühne vor der Leinwand gesungen. Das war eine ganz andere Zeit. Wild und gleichzeitig unschuldig. Heute kommen diejenigen, die damals dabei waren und die Jungen. Von 17 bis 70 sozusagen. Das gefällt mir sehr.

Das klingt so mühelos. Es gab doch auch schwierige Zeiten?

Sicher, irgendwann liefen die Platten nicht so. Aber dann habe ich eben etwas anderes gemacht. Filme gedreht. Am Theater inszeniert und viel Fernsehen. Aber Fernsehen wurde irgendwann langweilig. Es gab immer Angebote, aber nicht so wahnsinnig viele interessante. Also habe ich wieder Musik gemacht.

Heute noch kennt jeder die „Conny & Peter“-Filme mit Cornelia Froboess. Wie erklären Sie sich das?

Mein Gott, es gab damals nichts Vergleichbares. Wir waren die ersten Teenager-Helden der Bundesrepublik. Es lag einfach in der Luft. Die Jungen sehen das vermutlich ein bisschen aus historischer Perspektive. Generell war der Rock’n’Roll wichtig für die Entwicklung der Gesellschaft. Wie John Lennon gesagt hat: Rock’n’Roll war der Anfang von allem. Für meine Generation jedenfalls. Ohne Rock’n’Roll hätte es keine 68er- Bewegung gegeben, keine Revolution.

Das erklärt nicht, weshalb Sie immer noch Teenagern ein Begriff sind.

Ich vermute, dass das, was wir damals gemacht haben, eine gewisse Qualität hatte. Damals kannten viele meine Lieder, konnten mit meinem Namen aber nichts anfangen. Heute ist es eher anders herum. Jeder weiß, wer Bill von Tokio Hotel ist. Aber welche Lieder hat er gesungen? Paradoxerweise hat mein Name überdauert, weil Namen damals nicht so wichtig waren. Es ging um die Musik.

Sie gelten als skandalfrei und tauchen nicht oft in Illustrierten auf. Eine bewusste Entscheidung?

Na, es hilft, dass ich ein bisschen ab vom Schuss wohne. Aber ich habe tatsächlich keine Lust bei jeder Schuhsalon-Eröffnung herumzustehen. Wenn ich in den Zeitungen stehe, dann wegen meiner Konzerte und Platten. Mir sind im Laufe der Jahre ein paar Dinge unterlaufen, die etwas für Klatschblätter gewesen wären, aber es gab eine unausgesprochene Vereinbarung: Wenn man nicht wollte, dass etwas in die Zeitung kommt, schrieben es die Journalisten nicht. Funktioniert heute nicht mehr, aber ich liefere auch nicht viel Stoff für Klatsch. Obwohl: Ich galt in meinen Anfangsjahren als Skandalnudel. Etwa weil ich auf einem Foto die Hände in den Hosentaschen hatte, das war damals unerhört. Einmal wurde ich aus einem Hotel geschmissen, weil ich verkehrt herum auf einem Stuhl gesessen bin. Damit war man schon ein Rowdy. Sie sehen: Es hat sich sehr viel verändert.

Was erwartet den Zuschauer, wenn er nun in Ihre Show kommt?

Es geht nicht nur um Nostalgie. Ich habe einige neue Nummern. Und wenn die Leute sagen: Die alten Sachen sind toll, aber die Neuen gefallen mir auch, dann habe ich mein Ziel erreicht. Ich mache keine Rentner-Revue. Für mich sind alle, die zu mir kommen, jung – unabhängig vom Alter.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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