„Ich mache nie Mittagspause“: Interview mit Luc Besson

München - Mit Kinohits wie „Léon - Der Profi", „Im Rausch der Tiefe" und „Das fünfte Element" avancierte Luc Besson zum erfolgreichsten Regisseur Frankreichs. Am Dienstag stellte der 51-Jährige in München seinen neuen Film „Adèle und das Geheimnis des Pharaos" vor.

-Sie wollten doch eigentlich nie wieder Regie führen…

Ja, weil ich nach 30 Berufsjahren völlig ausgelaugt war. Es ist wunderbar, Filme zu drehen, aber auch wahnsinnig anstrengend. Ich hätte natürlich diverse Hollywood-Angebote annehmen, auf Autopilot schalten und zehn Millionen pro Regiearbeit kassieren können - dann besäße ich jetzt ein schickes Haus und ein fettes Auto und würde beschissene Filme machen. Doch das wollte ich nicht. Ich war glücklich damit, nur noch Drehbücher zu schreiben und mich um meine drei Töchter zu kümmern.

-Und warum sind Sie wieder rückfällig geworden?

Ursprünglich sollte ein anderer Regisseur „Adèle“ inszenieren. Aber beim Schreiben des Drehbuchs musste ich dauernd lachen und dachte: „Wow, das wird cool!“ Es hat mich wieder gejuckt - und ich habe mich schlichtweg in die Titelfigur verknallt.

-Was hat Sie denn an Adèle so gereizt?

Dass sie so verrückt und so witzig ist. Dass sie flucht und raucht und trinkt und ständig jemanden wütend anblafft. Und dass alle Männer neben ihr wie Volltrottel wirken.

-Man hört, Sie seien ein kleiner Diktator am Set.

Es stimmt, dass ich schwierig bin. Oder, besser gesagt, anspruchsvoll: Ich trete jedem in den Hintern, weil ich will, dass wir in 20 Jahren stolz auf den Film sein können. Deshalb versuche ich, alle zu Höchstleistungen zu motivieren. Und ich gehe mit gutem Beispiel voran - ich habe keinen Stuhl, auf dem mein Name steht; ich mache nie Mittagspause und ich setze mich am Set niemals hin. Und beim Abschlussfest entschuldige ich mich beim Team: „Ich weiß, ich war hart. Sorry!“

-War es ein Vor- oder ein Nachteil, dass ihre Frau den Film produziert hat?

Ein Vorteil, denn sie beherrscht ihren Job hervorragend. Früher musste ich mich meistens mit miserablen Produzenten herumschlagen. Ansonsten war unser Umgang am Set ganz normal - abgesehen davon, dass ich meine Produzentin ab und zu geküsst habe, was ich normalerweise nicht zu tun pflege.

-Sprechen Sie daheim über Ihre Arbeit?

Nein, nie. Unser Zuhause gehört ausschließlich der Familie. Darum hat auch noch nie jemand aus der Filmbranche dieses Haus betreten. Als Kind habe ich es immer gehasst, wenn meine Eltern Besuch hatten und mich aufs Zimmer schickten. Meinen eigenen Kindern will ich nie das Gefühl geben, dass das Wohnzimmer plötzlich einem Fremden gehört. Und auch mein Handy schalte ich daheim immer aus.

-Stimmt es, dass Sie nach wie vor keinen Computer besitzen?

Ja. Meine Drehbücher - und das sind mittlerweile etliche Dutzend - habe ich alle von Hand geschrieben. Ich trage immer Stift und Block bei mir, damit ich jederzeit loslegen kann, egal, ob ich nun am Strand oder auf einem Schiff bin. Ich mag mich nicht von irgendwelchen Steckdosen abhängig machen!

-Heißt das, dass Sie auch überhaupt keine E-Mail-Adresse haben?

Ja, absichtlich. Denn meine wichtigste Inspirationsquelle sind die Begegnungen mit anderen Menschen. Natürlich könnte mir meine Assistentin auch schriftlich mitteilen, Herr Sowieso wolle mich morgen in London treffen. Aber wenn sie mir die Nachricht persönlich überbringen muss, kann ich sagen: „Hey, du trägst ja die Haare kurz!“ Sie antwortet vielleicht: „Ja, mein Freund hat mich abserviert, und ich wollte eine Veränderung.“ Und dann sprechen wir darüber, warum Frauen in solchen Fällen immer ihre Frisur wechseln. Das ist Futter für mein Hirn. Ich brauche das!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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