"Ich male nach Lust und Stimmung"

- "In veralteten Moden, Klöße vom Kopf bis zu den Füßen, gemein in den Hüften, mit schlecht sitzenden Korsetts, Talmischmuck, drohenden oder wulstigen Ellenbogen verunstalten sie ein Fest in diesem Lande. Aber sie sind Weiße, und ihr Bäuchlein quillt. Die farbigen Einwohner sind sehr elegant. Der Herr Kritikus irrt erheblich, nennt er sie verächtlich . . . Negerweiber. - Oder ich irrte, als ich sie beschrieb, sie auch zeichnete."

<P>So elegisch und geheimnisvoll Paul Gauguins Gemälde von der Bretagne sein mögen, in unser aller Gedächtnis bleibt er der Maler der Südsee. Dort wurde er vor 100 Jahren auf der Marquesas-Insel Hiva Oa zu Grabe getragen. Aber nicht nur in Bildern von magischer Farbkraft und Zeichnungen von filigraner Sensibilität hielt er jene ferne Welt fest, sondern auch in seinen spritzig geschriebenen, vielschichtig reflektierenden Erinnerungen, die jetzt neu aufgelegt wurden: "Ich möchte schreiben, wie ich meine Bilder male. Heißt: Nach Lust und Stimmung." </P><P>Die Impressionen "Vorher und Nachher" bieten eine wirklich anregende Lektüre: Man merkt den Maler, spürt den Freigeist und lächelt über sein äußerst ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Einige Wochen, nachdem er das Manuskript fertig gestellt hatte, starb der Künstler.<BR><BR>Gauguin war am 7. Juni 1848 in Paris geboren worden, wuchs in Lima auf, war Matrose und Bankangestellter. Ab 1883 widmete sich der Mann mit den Holzschuhen, der gut boxen und fechten konnte, ganz der Malerei. Erfolg hatte er in den Pariser Salons keinen. Auch viele seiner Kollegen mochten ihn nicht; die Arbeitsgemeinschaft mit Vincent van Gogh endete mit jenem berühmt gewordenen Zerwürfnis. </P><P>Heuer aber feiert Paris den großen Vertreter des "Synthetismus" (eine Abart des Symbolismus) mit zwei imposanten Ausstellungen. Das Musé´e du Luxembourg schildert mit "Das Abenteuer von Pont-Aven und Gauguin" die Zeit in der bretonischen Künstlerkolonie (bis 22.6., ab 12.7. in Quimper). Ab 4. Oktober präsentiert das Grand Palais in über 200 Werken die Ozeanien-Seite: "Gauguin-Tahiti" (bis 19. Januar 2004).</P><P>Paul Gauguin: "Vorher und Nachher". Aus dem Französischen von Erik-Ernst Schwabach. DuMont Verlag, Köln. 190 Seiten, 19,90 Euro.</P><P><BR> </P>

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